Auf einen Blick
Die Krieger des alten Japan
Titel: 
Die Krieger des alten Japan
Autor: 
Roland Habersetzer
Verlag: 
Palisander-Verlag
Erscheinungsjahr: 
2011 (2. Auflage)
ISBN: 
978-3938305072
Seiten: 
392
Embjapan Bewertung: 
10
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Die Krieger des alten Japan

Nicht nur für kampfsportinteressierte Leser bietet der Autor Roland Habersetzer in diesem Buch Kurzbiographien der berühmtesten Krieger aus über 800 Jahren japanischer Geschichte dar. Habersetzer, selbst Kampfsportspezialist und Begründer eines eigenen Karatestils, hat sich der Geschichten um Samurai, Rônin und Ninja angenommen und erzählt diese teilweise anhand von japanischen Quellen nach.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert, wobei der erste Teil „Helden und Heilige“, der sich mit berühmten Samurai befasst, mit 250 Seiten auch der größte Teil ist. Die beiden weiteren, überschrieben mit „Die Unbesiegbaren“ und „Ninja – Die Schattenkrieger“, umfassen jeweils um die 70 Seiten.

Dazwischen gibt es auch immer wieder teils doppelseitige Farbdrucke von Holzschnitten, die die in den Geschichten beschriebenen Samurai darstellen und zusätzlich findet man im Anhang ein Glossar, eine Übersichtskarte über die japanischen Provinzen vor der Meiji-Restauration (1868) und eine Zeittafel der japanischen Geschichte. Das gesamte, detaillierte Inhaltsverzeichnis kann hiermit aufgedeckt werden.

  • Wie eine Kirschblüte
  • I Helden und Heilige
    • Samurai – eine Kunst zu leben und zu sterben
    • Minamoto-no-Yoshitsune
    • Die Loyalität des Kusunoki Masashige
    • Tsukuhara Bokuden – der „Schwertheilige“ aus Kantô
    • Aufstieg und Fall des Klans der Takeda
    • Der spektakuläre Selbstmord des Shimizu Muneharu
    • Die Abenteuer des Rônin Yamada Nagamasa
    • Miyamoto Musashi
    • Amakusa Shirô – Der Gesandte Gottes
    • Akô Gishi: Die 47 Rônin
    • Saigô Takamori, der letzte Samurai
  • II Die Unbesiegbaren
    • Vorbemerkung
    • Kôdan-Geschichten
    • Dôjô-Geschichten
  • III Ninja – Die Schattenkrieger
    • Meuchelmörder und Spione
    • Aus dem Dunkeln - Teil 1
    • Hattori Hanzô, Wegbereiter der Tokugawa
    • Post für Takamatsu-jô
    • Ninja-Anektdoten
    • Aus dem Dunkeln - Teil 2
  • Anhang
    • Glossar
    • Die historischen Provinzen Japans
    • Zeittafel
    • Bibliographie
    • Der japanische Farbholzschnitt

Um es vorweg zu nehmen, ich war zuerst sehr skeptisch, als ich dieses Buch in meinen Händen hielt. Ein Kampfsportexperte, der über Samurai schreibt.

Die Einleitung beginnt demnach auch standesgemäß mit einem Zitat aus dem ohnehin in der japanischen Geschichtswissenschaft nicht unumstrittenen „Hagakure“, welches aber eine Bibel für die meisten Kampfsportler zu sein scheint. Weiter werden auch erstmal alle Klischees von der Kirschblüte über Sepukku bis zum feinfühligen Samurai, der auch Gedichte schreibt, bemüht.

Danach folgt ein kurzer geschichtlicher Überblick über die Samurai, der den gleichen Fehler macht, den fast alle populärwissenschaftlichen Werke über Samurai machen, nämlich, die Samurai weitestgehend aus ihrem gesellschaftlichen Kontext herauszulösen und isoliert zu betrachten. Dies ist allerdings hier auch gar nicht anders möglich und reicht auch für eine nicht wissenschaftlich arbeitende Leserschaft völlig aus.

Vom eigentlichen Inhalt des Buches war ich dann aber positiv überrascht. Nach der Einleitung folgen die Kurzbiographien der Samurai und Rônin, die nicht nur äußerst informativ, sondern darüber hinaus auch wirklich spannend geschrieben sind. Die zahlreichen Fußnoten bieten dabei auch Informationen für die Leser, die sich noch ein wenig mehr erhoffen, als nur spannende Samuraigeschichten. Der Umfang von etwa 20 bis 40 Seiten pro Samurai ist ebenfalls gut gewählt und lässt keine Langeweile aufkommen.

Die auf die Biographien folgenden Geschichten, die laut Einführung auch auf japanischen Quellen basieren, flachen zum Vorteil jedoch ein wenig ab. Trotz der einfacheren Erzählweise und der teilweisen Naivität, die sogar vom Autor in einer Anmerkung kommentiert wird, sind auch diese kurzen Geschichten unterhaltsam für den normalen Leser – vor allem aber die Kampfsportler unter den Lesern werden sich über diese Bonmots freuen.

Der letzte Teil über Ninja wird dagegen wieder jedem Klischee, das diese Thema zu bieten hat, gerecht und ist auch eher eine Sammlung von Ninja-Kurzgeschichten, die auf eine kurze, aber recht gute, informative Einführung folgen. Auch dieser Teil ist unterhaltsam geschrieben und bietet kurzweiliges Lesevergnügen.
Seinen Abschluss findet das Buch dann in einem dreiseitigen Glossar, der einige der verwendeten Begriffe erklärt (leider jedoch nicht die japanische Schreibweise mit angibt), sowie einigen kurzen Erläuterungen zu den alten Provinzen, der japanischen Geschichte und der traditionellen Kunst der Holzdrucktechnik „Ukiyo-E“.

Unterhaltsamer Ausflug in die Welt der Samurai und Ninja

Habersetzer ist hier ein unterhaltsames Werk über Samurai und Ninja gelungen, welches man aber eher in die Richtung „Prosa mit einem guten Schuss Wahrheit gewürzt“ nehmen sollte, als denn als geschichtswissenschaftliches Buch.

In der Einleitung schreibt der Autor, alle Geschichten in diesem Buch seien wahr, doch dies stimmt definitiv nicht, sei es in Bezug auf bestimmte Ausschmückungen, die der Spannung dienen, der üblichen Unverlässlichkeit der japanischen Quellen oder einfach der Tatsache, dass einige der beschriebenen Personen niemals existiert haben, wie z.B. der Ninja Sarutobi Sasuke, der nachweisbar eine Erfindung aus der Meiji-Zeit ist.

Zu erwähnen dazu ist, dass der erste und der zweite Teil im französischen Original schon 1988 erschienen sind, was den etwas veralteten Wissensstand, der ab und an durchschimmert, eventuell erklären könnte.
Alles in allem aber kauft man sich mit diesem Titel ein sehr unterhaltsames Buch, welches auch nach meinem langen Studium der japanischen Geschichte mein Interesse für die Samurai wieder ein bisschen aufs Neue zu erwecken vermochte.

Für Kampfsportler und Samurai-Interessierte uneingeschränkt zu empfehlen, Japanologie-Studenten in höheren Semestern können dagegen vergnüglich sich auf die Suche nach Fehler begeben, welche nicht unbedingt auf den ersten Blick sichtbar sind- naiven Erstsemestern rate ich allerdings zu Vorsicht: Ein übereifriges Vorgehen im wissenschaftlichen Kontext mit diesem Buch wird wohl zu einem Problem mit dem Professor führen! Trotz allem: 10 von 10 Unterhaltungs-Ninja-Sternchen.

Frisch rezensiert