Auf einen Blick
DVD/Seminar: Von Null Ahnung zu etwas Japanisch
Titel: 
DVD/Seminar: Von Null Ahnung zu etwas Japanisch
Autor: 
Vera F. Birkenbihl
Verlag: 
Walhalla Verlag
ISBN: 
3802946693
Embjapan Bewertung: 
1
Wo erhältlich?

DVD/Seminar: Von Null Ahnung zu etwas Japanisch

Zum gleichnamigen Buch „Von Null Ahnung zu ein wenig Japanisch“ gibt die Autorin Vera F. Birkenbihl ebenso Seminare zu dem Thema „Japanisch“. Leider, um es vorweg zu nehmen, zeichnen diese ebenso die inhaltlichen Schwächen des Buches deutlich nach, jedoch kann in einer Live-Atmosphäre dennoch die eine oder andere Untiefe geschickt umschifft werden, wodurch vielleicht am Ende dennoch ein interessanter Vortrag zu entstehen vermag.

Eher schlicht präsentiert sich die DVD in ihrer Verpackung von Außen und ebenso schlicht ist das DVD-Menü angelegt- ganze drei Schaltflächen gibt es zur Auswahl:

  • Prolog
  • Vortrag
  • Bonus

Ratsam ist es, mit dem gut 5-minütigen Prolog anzufangen, dort wird etliches zur DVD und zu einer möglichen Vorbereitung auf den Vortrag gesagt, sowie, wie man über die Webseite der Autorin an weiteres Vorlesungsmaterial kommt. Unter „Bonus“ findet man Informationen zu den Teilen des Vortrages, die aufgrund technischer Schwierigkeiten in der Aufnahme bedauerlicherweise fehlen- es ist also kein „Bonus“ im Sinne einer Zugabe, sondern eine Nachreichung dessen, was man aufgrund mangelhaftem technischen Sachverständnisses einfach verpatzt hat- z.B. vor der Aufnahme, ein entsprechend langes Band in die Kamera einzulegen.

Es gibt zwar technisch gesehen weitere den Hauptteil unterteilende „Kapitel“ auf der DVD, diese sind allerdings bedauerlicherweise weder über aus dem Menü heraus nutzbar, noch sind diese Sprungpunkte erkennbar sinnvoll über den Inhalt des Vortrages verteilt.

Dieser wiederum deckt dabei nach Angabe der Seminarleiterin und Autorin Birkenbihl etwa 80 Prozent des Inhaltes des Buches in lockerer Form ab. Also, Vorhang auf!

Und da steht sie nun im grellen Scheinwerferlicht am 5. Mai 2007 in Berlin in voller Bekleidungsmontur, keucht, tupft sich den Schweiß vom Gesicht- und lächelt. Vera F. Birkenbihl, Geburtsjahr 1946, ist nicht mehr die Jüngste („Ich habe schon Vorträge in Berlin gehalten, da waren einige von Ihnen noch gar nicht auf der Welt!“), aber vor Publikum sprüht sie vor Energie und platziert ihr geschäftiges „So!“ bei jeder möglichen Gelegenheit.

Sicher, eine eindrucksvolle Erscheinung, aber mit der persönlichen Ausstrahlung allein ist es natürlich für einen Vortrag oder gar ein aufgezeichnetes Seminar noch nicht getan: Inhalt, Vortragsweise, Didaktik und Mediennutzung sind ebenso wichtige Stützpfeiler. Und da der Inhalt dem des Buches nahe kommt, soll dieser hier nicht groß weiter besprochen werden und lediglich auf die inhaltlichen Aspekte bei der Besprechung des Buches verwiesen sein.

Auch wenn Vera F. Birkenbihl bereits seit vielen Jahren Seminare zu allerlei Themen hält und somit als ein Profi auf diesem Gebiet auftreten sollte, so ist doch äußerst erstaunlich, wie schlicht und karg sich ihre Mediennutzung gestaltet: Ein Overhead-Projektor (OHP) als reiner Tafelersatz plus ein Beamer mit Direktkamera, damit Buchseiten an die Wand geworfen werden können.

Töne, Bilder, Filme oder gar eine Präsentation im Sinne von Powerpoint wird man vergeblich erwarten dürfen. Jeder, der bereits versucht hat, auf der gleißend-hellen, unbequemen Ablageplatte eines OHPs zu schreiben, wird einem Whitebord, einem Flip-Chart oder- noch besser- einer Kreidetafel den Vorzug geben. Warum also solche Techniken nicht zum Einsatz kamen, wird sich sicher nicht nur der Rezensent gefragt haben.

Einhergehend damit ist ebenso zu erwähnen, dass das Tafelbild sich nicht unbedingt als hilfreich zum Verfolgen des Geschehens erweist- eher gestaltet es sich als Scribble-Platz für kurzzeitige Gedankenblitze, welche eher ungeordnet für kurze Zeit an die Wand geworfen, um dann auf Nimmerwiedersehen weggeleiert zu werden. Heraus kommen geistige Durchgangsbahnhöfe also, ohne jeglichen Wiedererkennungseffekte und Erkenntnismehrwert. Ist es das, was die Referentin immer und immer wieder gehirn-gerecht nennt?

Auch in Punkto Übersichtlichkeit des Vortrages ist dieser eher als mittelmäßig zu bezeichnen: Nach einem den Zuhörer interessiert stimmenden Auftakt mittels sechs sogenannter Wissens-Quiz-Spiel-Fragen wird das Ziel und die Wege dorthin plötzlich unübersichtlich und verschwimmen scheinbar im Nebel.

Gefördert wird die angehende Orientierungslosigkeit noch weiter durch die nicht wenigen Erzählungen und Privatmeinungen der Vortragenden zu Dingen, die nicht wirklich dem Thema oder dem Zuhörer zuträglich sind- beispielsweise die wieder und wieder vorgetragenen Wehklagen über die vielen anderen, vorgeblich unfähigen Lehrerkollegen oder die ewigen Nebenbemerkungen über andere Sprache, vor allem Arabisch, über das sie gleich im Anschluss an die aufgezeichnete Vorstellung ein Seminar abhielt und schon einmal denjenigen aus dem Auditorium, die beide Veranstaltungen gebucht haben (bzw. denjenigen, die auch noch die entsprechende DVD dazu kaufen würden), den Mund wässrig zu reden scheint. Das ist natürlich sehr geschäftstüchtig, interessiert den Zuhörer und Zuschauer, der hauptsächlich sich für Japanisch und Japan bezahlt hat, wohl eher weniger.

Auch werden die Erwartungen all derer, die einen in seiner Art und Weise „fesselnden“ Vortrag erwarten, wohl eher nur mäßig befriedigt werden. Hauptsächlich frontal „unterrichtend“, nur hin und wieder mit dem Publikum in spärlicher Weise in Interaktion tretend, unterscheidet sich die praktische Anwendung birkenbihlscher Lehrprinzipien kaum in der Form von konventionellem, frontalem Klassenunterricht in der Schule oder (meist noch schlimmer) einer Vorlesung in einer Universität- also das, was die Autorin Vera F. Birkenbihl in ihren Schriften immer wieder aufs schärfste kritisiert. Das ist natürlich eher schwach für jemanden, dem man (bzw. der sich selbst) nachsagt, das „Infotainment“ erfunden zu haben, lange bevor es dieses Wort überhaupt gab.

Auch was den Punkt „Handout“-Material zum Mitnehmen und Nachlesen betrifft, gibt sich die Seminarleiterin sehr spartanisch- eine Kopie einer (extrem alten) Hiragana-Tabelle sowie zwei handschriftlich verfasste Flugblätter mit den Quizfragen. Als dann noch gegen Ende die kostbare Zeit knapp zu werden droht, wird der Kardinalsfehler aller Kardinalsfehler für Vortragende begangen und einfach der noch vorgesehene Stoff- eigentlich der Hauptpunkt, nämlich die Vermittlung der Hiragana- in erhöhter Geschwindigkeit „durchgeprügelt“. So blieb leider höchstwahrscheinlich nicht viel in den Gedächtnissen der Teilnehmer hängen.

Für den Betrachter der DVD bietet sie übrigens im Prolog die Möglichkeit an, darüber hinaus weitergehendes Material von ihrer Seite passwortgeschützt zu beziehen, welches sich allerdings als Fotographien ihrer chaotisch gehaltenen, handschriftlichen Notizen in geringer Auflösung und somit auch niedriger Qualität herausstellt. Die Frage sei erlaubt: Wieso konnte man das Material nicht wenigstens auf einen Scanner legen? Von einer wünschenswert, übersichtlichen Aufarbeitung sei dabei noch gar nicht einmal die Rede!

In der technischen Ausstattung ist die DVD im Hauptteil im 4:3- im Pro- und im Epilog („Bonus“) allerdings im Bildformat 16:9. Wäre es nicht andersherum sinnvoller gewesen?

Zudem gibt Frau Birkenbihl im Prolog zu, dass es Probleme bei der Aufnahme gab- der Raumton musste nachjustiert werden und mitten im Vortrag fehlen plötzlich 2 Minuten vom Geschehen- weil das Band gewechselt werden musste. Und auch noch an einer anderen Stelle fehlen etliche Sekunden, welche im Epilog dann „trocken“ auf dem Papier noch einmal vorexerziert werden. Dass auch sonst die Aufzeichnung nur mäßig professionell von statten ging, lässt auch der Umstand, dass nur eine statische Kamera zum Einsatz kam, erahnen.

Die Folge ist, dass teilweise der Blick auf das Wissen, welches an die Wand projiziert wurde, von der Vortragenden bestmöglich verdeckt wurde. Alles wurde eben nur aus einem Winkel aufgenommen und auf die Möglichkeiten moderner Bild-in Bild-Techniken oder ansprechende Bildführung gänzlich verzichtet- von einem Blick ins Publikum während des Vortrages ganz zu schweigen.

Wirklich interessant gestalten sich die an die knapp 80 Minuten Vortrag über das Land Japan, dessen Leute und deren Sprache anschließende, 10-minütige Fragerunde. Bereits der erste Fragende trifft ins Schwarze mit seiner Frage, ob die Vortragende bereits einmal in Japan gewesen wäre- was sie verneinen muss, aber sie hätte in Deutschland und Amerika bereits mit Japanern Kontakt gehabt- und wie ihre Erfahrungen im Gespräch mit Japanern seien. Auch dies muss sie wieder verneinen, Japanisch spräche sich nicht und hat es auch nicht vor, jemals zu tun. Sie habe sich das alles selbst- ohne die Hilfe eines „Coaches“ beigebracht- das zweifelhafte Ergebnis dessen ist bekannt und liegt nun auf Silberscheibe und in gedruckter Form vor.

Es verwundert daher umso mehr, dass die Autorin trotz des Mangels an Erfahrungen aus erster Hand auf DVD aufgezeichnete Vorträge hält und Bücher  schreibt, obwohl ihr aufgrund ihres Vorgehens tiefere Einblicks in Kultur und Sprache naturgemäß verschlossen bleiben müssen. (Ähnliches gilt zum Beispiel auch für ihre Werke zu Chinesisch.) Dank auf jeden Fall jedoch für die aufrichtigen und ehrlichen Einblicke in die Hintergründe zur Entstehung der „Wissens“-Vermittlung, wenigstens haben so Frau Birkenbihls Kunden- Zuhörer, Zuschauer und Leser- eine Möglichkeit bekommen, die präsentierten Informationen hinsichtlich deren Glaubwürdigkeit sowie die Seriosität der Vortragenden selbst einzuschätzen.

Viel Halbwissen, wenig Überzeugendes

Es ist nicht einfach für einen Rezensenten, doch noch mit etwas Positivem seine Besprechung abzuschließen, wenn er selbst nach langer Suche so etwas nicht wirklich ausfindig machen konnte. Der Vortrag selbst ist nicht bestechend- eher nur mäßiger Durchschnitt. Das betrifft sowohl die praktizierte Didaktik und Art der Wissensvermittlung, also auch die allgemeine Vortragsweise und Präsentation. Der Inhalt kann darüber hinaus ebenso als „versenkt“ bezeichnet werden: Falsche oder zumindest falsch geschriebene Kanji und öffentlich zelebrierte offensichtliche Unsicherheit im Umgang mit den Kana-Silben- also das, was dem Auditorium vermittelt werden soll- sind nur die Spitze des Eisberges.

Das Material, welches die Vortragende dem Käufer der DVD auf ihrer Seite zur Verfügung stellt, ist neben der bereits bemängelten recht niedrigen Auflösung größtenteils unleserlich geschrieben und verwirrend aufgebaut und macht den Eindruck, als sei es auf der ICE Fahrt von ihrem Institut in München zum Vortragsort Berlin oder am Morgen vor dem Vortrag im Hotel in aller Eile zusammengeschrieben worden- eine übersichtliche Aufarbeitung wäre gut gewesen, war aber wohl der Autorin zu umständlich. (Immerhin funktioniert das Angebot, ein ähnliches für die Käufer des gleichnamigen Buches stand nämlich nicht zum Zeitpunkt der Rezension nicht zur Verfügung!

Außerdem ist interessant, dass aus dem Material hervor geht, dass die Autorin sich selbst ob einiger ihrer Wissenslücken bewusst ist und an anderer Stellen sich einige korrekte Details finden, die später in ihrem Buch zu Fehlern verschlimmbessert wurden!). Auch die technische Umsetzung ist offenbar ohne Hingabe zum Produkt geschehen, so dass der aufkeimende Verdacht, dass hier einzig und allein reine Geldmacherei vorliege, sich leider selbst bestätigt.

Besonderes Unverständnis kann der Rezensent nur noch den pauschalisierenden Äußerungen Birkenbihls entgegenbringen, die eigentlich die Rechtsabteilungen etlicher deutscher Verlage und Lehrmittelhersteller auf den Plan rufen sollte.

Es ist erstaunlich, wie weit Frau Birkenbihl bislang in der Öffentlichkeit in ihren Äußerungen gehen konnte, ohne dass sie strafbewährten Abmahnungsklagen aufgebrummt bekam oder ihr sogar Strafverfahren anhängig wurden- das jedenfalls, was sie an unsachlicher und unfachlicher Kritik über Sprachlehrer japanischer Nationalität und in diesem Zusammenhang über alle Japaner generalisierend kurz vorm Ende der Fragerunde äußert- diese hätten ihrer Meinung nach nämlich keinerlei Interesse, Ausländern Japanisch beizubringen-, ist geschäftsschädigend, verleumdend, wenn nicht sogar volksverhetzend und potentiell rassistisch.

Und ein treudoofer Teil der Birkenbihl-Anhängerschaft im Saal lacht fröhlich dazu und klatscht brav Beifall. Ein wahrhaft großartiger Höhepunkt einer Reihe etlicher verbaler und inhaltlicher Tiefschläge! Insgesamt gibt es ein Stern für die Grundidee, der Rest fiel leider dem Produkt und seiner Umsetzung zum Opfer: nur 1 von 10 warnblinkenden Sternen. Wer es sich versehentlich bereits gekauft hat: Als gutes Beispiel, es nicht so zu machen, kann es immer noch begrenzt als Lehrstück dienen. Aber mehr auch wirklich nicht

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