Verfasst am: 29.08.2005 - 23:42:57 Titel: Das wandelnde Schloss - HAURU no ugoki shiro
Wundert mich, dass noch keiner darüber geschrieben hat, obwohl der Film doch bereits seit fünf Tagen hierzulande läuft...
Ich fand den Film absolut sehenswert! Echt klasse! Der Zeichenstil ist wunderschön und die Charaktere sind alle so liebenswert gemacht. Besonders Hin, der Hund, ist so knuffig. Wie er immer so drollig schnauft, wenn er auf sich aufmerksam machen will. Die Geschichte ist zwar vor allem eine Liebesgeschichte, was mir persönlich i.d.R. weniger zusagt, aber die Umsetzung der "Story" macht ihren Inhalt wieder wett. Zudem gibt es ja noch die Storyline des Krieges, den die Hauptcharaktere beenden wollen. Besonders die Szenen mit den Luftschiffen sind hierbei zeichnerisch sehr eindrucksvoll und mitreißend. Überhaupt scheinen die ganzen Maschinen (das Schloss, das heimkehrende Kriegsschiff, die Luftschiffe...) in einem etwas anderen Stil gezeichnet zu sein als der Rest der jeweiligen Szenerie; wohl um die Technik in dem ansonsten eher ins späte 19. Jhd. angesetzte Land darzustellen oder besonders hervorzuheben. Jedenfalls ist auch die Synchronisation zum Großteil gelungen, wobei ich den Film jedoch auch bald noch einmal auf japanisch schauen möchte/werde.
Und damit zu den negtiven Punkten; derer habe ich vier zu nennen:
1. Namensanpassung
Hauru - so gesprochen, wie es geschrieben wird. Brrr... Musste das wirklich sein?
Die bisherigen Filme (zumindest von "Chihiro" kann ich es aus eigener Erfahrung her sagen) zeigen doch, dass man sich bei der Einführung von Anime in deutschen Kinos ordentlich Mühe bei der Synchro gibt, dem schwachen Glied der Eindrucks-Kette. Man wird ja wohl wissen, dass der Film auf Japanisch "Haul(u) no ugoki schilo" gelesen wird und selbst auf Englisch hat er diesen Namen behalten: "Howl's Moving Castle". (Anders als "Spirited Away", was ja eher dem Sinn nach übersetzt wurde, wohl auch aufgrund Ermangelung eines ähnlich geschickten Wortspieles, wie es im japanischen Titel auftauchte.) Hätte man ihn denn nicht auch im Deutschen "Haul" nennen können?
2. Einige Stimmen
Direkt weiter auf Hauru draufgehauen: Seine Stimme fand ich gewöhnungsbedürftig. Aber immerhin habe ich mich schnell daran gewöhnt. Die sanfte, beruhigende Stimme passt doch irgendwie zu dem "herzlosen Zauberer". Aber Sophie... Brrr... Sie halt ja selbst als Kind die Stimme einer alten Frau. Es passt ja ganz gut zu ihr, wenn sie gegen Mitte des Filmes beginnt, sich hin- und her zu verändern (wegen Spoilergefahr jetzt etwas schwammig ausgedrückt; wer den Film gesehen hat, weiß, was ich meine), aber als ich sie das erste Mal hörte, bekam ich prompt eine Gänsehaut. Aber nicht aus Entzückung!
Kalzifer hingegen fand ich klasse und auch die "Hexe aus dem Niemandsland" (weiterer Kritikpunkt, der zu 1. gehört) war klasse. Die fand ich am Ende nach ihrer Alterung richtig knuffig. Vor allem der Blick! Psycho-Oma!
3. Happy-End
Nichts gegen Filme mit Happy-End! Je nach Art des Films und Handlungsverlauf erhoffe ich mir beim Schauen mal ein Happy-End, mal ein trauriges, mal ein offenes. Dass "Das Wandelnde Schloss" ein Happy-End hat, ist okay. Für den Liebesgeschichte-Teil ist es auch durchaus angebracht und "normal". (Ich denke nicht, dass ich jemandem ernsthaft die Illusion raube, dass der Film in einer Katastrophe endet...) Aber WIE dieses auftaucht... Eben noch der spannende, mitreißende, actiongeladene Showdown; über viele Minuten strömt das Adrenalin durch den Körper; man kann nicht mehr atmen, sich nicht mehr bewegen, das Popcorn verteilt sich über den Boden, weil die Hand so sehr zittert...
Und dann kommt das Ende und nach ein, zwei Minuten der Abspann.
Ja klar: ein "Bitte" und das Großmütterchen rückt XXX raus, wobei sie XXX eben noch verschlingen wollte; ein Kuss und ein Prinz erscheint, der dann auch noch zufällig aus dem Nachbarland kommt und mal eben so den Krieg beenden wird; der erlöste Dämon genießt dann nich die Freiheit, weil es "so nach Regen aussieht"... Und das alles innerhalb von keinen zwei Minuten!
4. Kleine Story-Lücke
Apropos Krieg: Warum gibt es den überhaupt? Hätte vielleicht mal genannt werden können - ebenso wie der Grund, warum die "Hexe aus dem Niemandsland" Sophie überhaupt verflucht. Gut, letzteres ist ziemlich sicher Eifersucht. Und dass der Krieg keinen genannten, offensichtlichen Grund hat, dient vielleicht nur der Untermalung der oft erwähnten Sinnlosigkeit des Krieges. Aber...
[Edit: Hmmm... Scheint, als sollte ich diesen 4. Kritikpunkt eher als dickes Lob kennzeichnen, zeigt er doch, dass Anime eben nicht nur Kinderfilme sind. Dazu sind sie viel zu hintergründig.]
Alles in allem fand ich den Film die Investition wirklich wert, werde mir aber auch noch das Original anschauen. Und verglichen mit den anderen beiden mir bekannten Miyazaki-Filmen ("Totoro" und "Chihiro") landet "Hauru" auf Platz 2: ziemlich weit vor "Totoro", aber auch mit gutem Abstand zu "Chihiro". Punkteverteilung etwa: 14 / 11 / 7 von jeweils 15
DER FILM IN NOTEN (0 - 15)
Musik: 14
Grafik: 14
Story: 11
Synchro: 09
Charaktere: 12
Atmosphäre: 10
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Verfasst am: 30.08.2005 - 01:35:28 Titel: Re: Das wandelnde Schloss - HAURU no ugoki shiro
Es gibt bzw. gab übrigens bereits einen Thread zu dem Film, aber über das jap. Original. *hint*
Arios hat Folgendes geschrieben:
Warum gibt es den überhaupt? Hätte vielleicht mal genannt werden können - ebenso wie der Grund, warum die "Hexe aus dem Niemandsland" Sophie überhaupt verflucht. Gut, letzteres ist ziemlich sicher Eifersucht.
Hast du geschlafen, oder wird es in der dt. Übersetzung kein bisschen erklärt?
Spätestens ab der Mitte sollte man es doch eigentlich erfasst haben, warum sie die Sophie so malträtiert...
Finde den Film keinesfalls als Miyazakis Höhepunkt seiner Laufbahn, sowohl an Story als auch an visuellen Reizen zu überladen und obendrein (auch leider im Original) wurde bei der Syncro auf "Aidoru"s gesetzt, statt auf professionelle Animesprecher- wahrscheinlich aus Marketinggründen. So bleibt Howl dank SMAP- Takemura das, was schon im Bild zu sein droht- ein schlaksiger, windeiiger Hänfling.
Allerdings ist Howl wohl das politischste Werk Miyazakis, und es wundert nicht, dass es "irgendwie" während des Höhepunktes des Irakkrieges auf den Markt kam...
PS: Der Film heißt übrigens howl no ugoku shiro - ハウルの動く城, falls jemand es mal erfolgreich suchen möchte etc.
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Also doch! Rein grammatisch ja auch logisch, aber ich habe in verschiedenen Magazinen immer wieder auch mal "ugoki" gelesen, war dann etwas verwirrt und habe mich schließlich - fälschlicher-, aber für mich (leider) auch überlicherweise - zum Falschen verleiten lassen.
Gomen kudasai.
Ach, und kann einer von den Moderatoren den Thread dann mal hier wegpacken und die Beiträge einfach in den anderen, ersten hängen? Mag es nämlich auch nicht, wenn immer wieder Threads zu bereits gestellten Themen auftauchen. Hab meine Suche wohl einfach nicht effizient gestaltet... Mata gomen ne.
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Verfasst am: 31.08.2005 - 19:48:46 Titel:
Jain... Ich war zuerst auch nicht sonderlich von dem Film überzeugt, zumal man als Europäer ziemlich enttäuscht ist, wenn man in Japan in einen japanischen Film geht, um dann dort eine nicht recht stimmige "pseudo"-europäische Kulisse zu finden. Miyazaki und Hisaishi, so sehr ich ihre Werke mag, haben mit der Musik (hab was von einer versuchten Immitation Elsässer volkstümlichen Musik gelesen) und den recht süddeutsch/ schweitzerischen Bilderbuchlandschaften nicht gerade die Erwartungen seiner europäischen Fans erfüllt.
Alerdings, wenn ich von einer "Hexe aus dem Morgenland" höre und den Namen "Howl" als "Hauru" offensichtlich falsch "übersetzt" (ich hoffe, der Name wird nicht dazu auch noch nach dt. Sprechweise ausgeprochen!), dann verdient wahrscheinlich die Syncro die größeren Magenschläge.
Fast so, wie die Wortschöpfung "Ohngeschicht" in Spirited Away...
Arios hat Folgendes geschrieben:
Ach, und kann einer von den Moderatoren den Thread dann mal hier wegpacken und die Beiträge einfach in den anderen, ersten hängen? Mag es nämlich auch nicht, wenn immer wieder Threads zu bereits gestellten Themen auftauchen.
Neinnein, das passt schon... ;) Der andere Thread ist mittlerweile schon fast ein Jahr alt.
Anhängen und Verschmelzen von Topics ist übrigens nicht möglich bei phpbb, jedenfalls nicht ohne die nötige Erweiterung. ;)
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Das gute alte "Ohngesicht", jaja. *seufzt* Aber ich muss gestehen, dass ich gerade DEN Namen schon wieder ganz witzig fand. Nicht unbedingt gut, aber immerhin witzig und amüsant.
Im Übrigen: Doch, man spricht "Hauru" auch "Hauru" aus und nicht etwa wenigstens "Haulu". Mit einem richtigen R. _________________ 強い者は勝つのではなく、勝つ者が強い
Jain... Ich war zuerst auch nicht sonderlich von dem Film überzeugt, zumal man als Europäer ziemlich enttäuscht ist, wenn man in Japan in einen japanischen Film geht, um dann dort eine nicht recht stimmige "pseudo"-europäische Kulisse zu finden.
...
Hm... ist das nicht die "Kulisse", die Miyazaki selbst so fasziniert, ein Leitmotiv in vielen seiner Werke? "mimi wo sumaseba", "majo no takkyûbin" oder die allseits beliebte Serie "Heidi"? Warum muß es in Filmen japanischer Regisseure immer gleich um Japan gehen? Ich finde, das macht gerade den Reiz an seinen Filmen aus.
Auch wenn mit ハウル "howl" gemeint ist, übersetzt man für gewöhnlich - bes. bei Transliterationen von Buchtiteln in der Bilbliographie, aber auch so - nicht zurück. So bleibt beispielsweise アイデンディティー = aidenditî oder イデオロギー = ideorogî. Namen und Lehnwörter bleiben als dem jp. Lautwert enstsprechend.
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Verfasst am: 31.08.2005 - 23:43:07 Titel:
Sicher, über die Kulisse an sich entspricht den Wünschen Miyazakis, die Musik entspricht den Wünschen Miyazakis, die Stimmung entspricht seinen Wünschen... Jedenfalls sollte man das hoffen.
Die Frage ist: Ob es den Wünschen der Fans, besonders hier in Europa, spezieller Deutschland, gefällt. Ich z.B. empfand es mit dem abgehörten volkstümlichen Gedudel im Hinterkopf als "zu aufdringlich westlich"- jedoch ist es vielleicht gerade das, was viele Japaner an dem Film fanzinieren wird.
bikkuri hat Folgendes geschrieben:
Auch wenn mit ハウル "howl" gemeint ist, übersetzt man für gewöhnlich - bes. bei Transliterationen von Buchtiteln in der Bilbliographie, aber auch so - nicht zurück. So bleibt beispielsweise アイデンディティー = aidenditî oder イデオロギー = ideorogî. Namen und Lehnwörter bleiben als dem jp. Lautwert enstsprechend.
Das mag für (Titel-) Transkriptionen, aber nicht für ordnungsgemäße Übersetzungen gelten.
In dem Fall aber haben die Macher sich schon bewusst für eine Romanisierung des Namens entschieden, nämlich "Howl". Das sollte jedem Übersetzer aufgefallen sein, selbst wenn er sich nicht einmal annähernd mit dem Werk beschäftigt haben sollte.
Jegliches sich- darüber- hinwegsetzen und das Befolgen einer literarischen Transkriptionsregel ist in sofern berechtigterweise zu nennender Dilletantismus. _________________ The method (of learning Japanese) recommended by experts is to be born as a Japanese baby and raised by a Japanese family, in Japan. And even then it's not easy. (Dave Barry)
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Verfasst am: 01.09.2005 - 11:19:27 Titel:
Ok, dann hab ich's falsch verstanden... ;)
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