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AngelikaD Koi

Anmeldedatum: 21.01.2010 Beiträge: 17 Wohnort: Bludenz
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Verfasst am: 21.01.2010 - 23:10:42 Titel: Fragen zu Heian Japan |
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Hallo zusammen,
ich lese derzeit gern Bücher über die Heian Era in Japan. Leider werden dort viele Fragen nicht beantwortet. Ich hoffe, dass die Spezialisten hier mir vielleicht weiter helfen können.
Eine Frage wäre z.B. wie muss man sich einen Einkauf auf dem Markt in Heian (Kyoto) vorstellen.
Die Adligen sind wohl selten selbst einkaufen gegangen, sondern haben ihre Bediensteten geschickt.
In meinen Büchern steht, dass Reis damals als Zahlungsmittel in Verwendung war.
Haben also die Kunden einen Sack Reis mitgeschleppt und dort wo sie etwas kaufen wollten, etwas davon abwägen lassen?
Oder bestellte man nur etwas und geliefert wurde es direkt in die Häuser der reichen, sodass die Händler dort bezahlt wurden?
_________________ Angelika Diem
~ weil worte wirken ~
Blog: Topic Japan
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Anmeldungsdatum: 30.10.2006
Wohnort: Japan
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Verfasst am: Heute Titel: Fragen zu Heian Japan (Anzeige) |
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Fragen zu Heian Japan
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Alexcom Tourist

Anmeldedatum: 30.11.2008 Beiträge: 247 Wohnort: Unterhalb der Burg
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Verfasst am: 22.01.2010 - 00:46:05 Titel: |
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Vielleicht nicht ganz so die meisten Arbeiten und vor allem die Steuern an die Grundbesitzer (Pacht) wurden in Koku Reis bezahlt. 1 Koku war etwa der Reis verbrauch von 1 Person über 1 Jahr. Den konnte man also selbst verbrauchen oder damit zum nächsten Reishändler gehen und in Geld umtauschen. Und da mit dem Geld einkaufen. Alex
_________________ Wenn man einem guten Freund 10 $ leiht und ihn danach nie wieder sieht, ist das eine gute Investition. Henry Ford (1863 - 1947)
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AngelikaD Koi

Anmeldedatum: 21.01.2010 Beiträge: 17 Wohnort: Bludenz
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Verfasst am: 22.01.2010 - 06:17:15 Titel: |
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Daran habe ich auch gedacht, aber es heißt in den Büchern, dass es vor allem zu Beginn der Heian-Periode wenig Münzen gab, weil nicht viel an Rohstoffen zur Erzeugung solcher Münzen da war.
Die Leute hätten also direkt mit Reis bezahlt (oder mit Seide) und das stelle ich mir bei einem Marktbesuch nicht besonders praktisch vor.
_________________ Angelika Diem
~ weil worte wirken ~
Blog: Topic Japan
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Wilf Mücke Tourist
Anmeldedatum: 17.08.2007 Beiträge: 209 Wohnort: Berlin
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Verfasst am: 22.01.2010 - 06:40:08 Titel: |
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Hallo Alexcom,
ich habe da zwei Fragen:
1. Bist Du Dir sicher, dass die Einheit wirklich schon in der
Heianzeit weite Verbreitung zur "Lohnberechnung" fand ?
2. Bist Du Dir sicher, dass tatsächlich v.a. in Reis ausgezahlt wurde ?
Bezüglich beider Punkte zweifle ich zwar etwas,
bin aber auch nicht so der große Reisfachmann.
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Tomigaya Samurai

Anmeldedatum: 01.04.2008 Beiträge: 1455 Wohnort: Hessen
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Verfasst am: 22.01.2010 - 17:39:41 Titel: |
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Soweit ich weiß war auch chinesisches Münzgeld zu dieser Zeit in Umlauf. Ebenso gab es auch in Japan damals bereits Kupfermünzen. Wie allerdings die genauen Umstände des Zahlungsverkehrs waren, wer also wie bezahlt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Dazu bräuchte es mal ein schönes Numismatik Seminar. Ich hatte leider nur eine zweistündige Vorlesung zum Geldhandel während der Edo-Zeit.
_________________ 長崎駅の松屋一番
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AngelikaD Koi

Anmeldedatum: 21.01.2010 Beiträge: 17 Wohnort: Bludenz
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Verfasst am: 22.01.2010 - 20:39:31 Titel: |
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@Wilf: Ich bin da eben nicht sicher, darum frage ich ja.
Es geht mir auch weniger darum, wie Arbeiter entlohnt wurden, als mehr darum, in welcher Form die Adligen ihre Güter des täglichen Bedarfs erhandelten. Ob sie die Handwerker in Reis oder Münzen entlohnten, ob ihre Dienstboten für sie auf dem Markt mit Reissäcken im Gepäck einkaufen gingten oder ob alles direkt in die Häuser der Reichen geliefert wurde.
Mein bisschen Halbwissen dazu stammt von dem Wälzer "The Cambridge History of Japan. Volume 2. Heian Japan".
Vielleicht deute ich einfach die englischen Sätze falsch:
"The currency of trade in the Heian markets was a mixed affair, the trade relying at times on straight barter, at other times on values expressed in units of rice or fabrics, and at other times partly on cash either Japanese or Chinese.
Also scheint es Zeiten gegeben zu haben, wo Reis direkt als Zahlungsmittel zum Einsatz kam. Oder irre ich mich?
_________________ Angelika Diem
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Tomigaya Samurai

Anmeldedatum: 01.04.2008 Beiträge: 1455 Wohnort: Hessen
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Verfasst am: 27.01.2010 - 18:21:15 Titel: |
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| AngelikaD hat Folgendes geschrieben: |
Also scheint es Zeiten gegeben zu haben, wo Reis direkt als Zahlungsmittel zum Einsatz kam. Oder irre ich mich? |
Ich habe mir mal das Buch "Beiträge zur japanischen Geldgeschichte" (Hrsg. Alfons Dopsch, Autor: Miyashita Koichi) aus dem Jahr 1931 ausgeliehen.
Dort steht das Reis, dem Taiho Gesetz von 701 folgend, u.a. für die Zinsenzahlung gebraucht wurde.
"Darlehen von Reis und Getreide waren damals auf dem Lande allgemein üblich. Befand sich der Bauer im Frühjahr in Geldnöten, nahm er von den reichen Grundbesitzern Reis oder Getreide als Darlehen, dass er im Herbste von der neuen Ernte in duplo zurückerstatten musste" (Miyashita 1931:43).
Miyashita diskutiert auch das Werk von Hamada ("Betrachtungen über das japanische Geld in älterer Zeit"), der die Ansicht hatte, dass Reis das "einzige Gut" war, dass als Geld benutzt wurde. Miyashita widerspricht dem auf Grund einer nicht nachvollziehbaren Beweisführung und stimmt lediglich zu, dass Reis für Zinszahlungen eingesetzt worden ist und ein allgemein gültiges Zahlungsmittel zwischen 645-1185 war.
"[...] ergibt sich, dass erst für ein verhältnismäßig späte Zeit (645-1185), sichere Belege dafür vorliegen, dass Reis als Zahlungsmittel allgemein gebraucht war [...]" (Miyashita 1931:43).
_________________ 長崎駅の松屋一番
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AngelikaD Koi

Anmeldedatum: 21.01.2010 Beiträge: 17 Wohnort: Bludenz
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Verfasst am: 28.01.2010 - 06:13:11 Titel: |
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Danke für die Antwort.
Bleibt immer noch die Frage, wie es praktisch gehandhabt wurde mit diesem allgemein gültigen Zahlungsmittel.
Haben die Menschen für Einkäufe also immer Säckchen mit Reis mit sich rumgetragen?
_________________ Angelika Diem
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Lori Samurai
Anmeldedatum: 12.12.2007 Beiträge: 1624
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Verfasst am: 28.01.2010 - 07:30:16 Titel: |
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Nein, ich denke, du hast eine falsche Vorstellung von "Einkaufen" in der Heian Zeit. Du musst einfach mal bedenken, wie wenige Menschen damals in Japan lebten und auf wieviel Land sie sich verteilten. Mit anderen Worten: Damals waren 95%+ der Menschen Bauern / Jaeger / Fischer, die in Gehoeften irgendwo auf dem Land oder sehr kleinen Doerfern wohnten.
Groessere Staedte in denen sich permanente oder auch nur periodische Maerkte lohnen wuerden, gab es nur ein paar wenige (Kyoto / Nara v.a.). Den "day to day"- Handel auf dem Lande kannst du dir wirklich bildlich so vorstellen: Reisbauer A bringt Fischer B einen Sack Reis und bekommt dafuer eine gewisse Menge Fisch.
In Japan wurden ausserdem Muscheln und Seide als Waehrungen benutzt. Hier spekuliere ich, aber ich denke, man kann davon ausgehen, dass Seide als Waehrung am Heian-Hof (und damit auch bei den Haendern in Kyoto) weit verbreitet war. (wer es besser weiss, moege mich bitte widerlegen)
_________________ In einem frueheren Leben war ich ein Ninja!
Mein kleiner Japanblog
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Alexcom Tourist

Anmeldedatum: 30.11.2008 Beiträge: 247 Wohnort: Unterhalb der Burg
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Verfasst am: 28.01.2010 - 12:03:35 Titel: |
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Ich kann da Lori nur zu stimmen. Ich denke man sollte sich von der Vorstellung verabschieden. Das die Leute so wie heutzutage einmal in der Woche einen Großeinkauf gemacht haben für den Bedarf an Lebensmitteln die man braucht. Mit den Entsprechenden Geldmitteln.
Meines Erachtens sollte sich das Leben (nicht die Kultur) so vorstellen, daß die Menschen in Dorfgemeinschaften vielleicht auch schon in Clans zusammen lebten. Da wurde alles was die Gemeinschaft brauchte selbst hergestellt (Waren des täglichen Gebrauchs ) und nur die Dinge die man nicht selbst herstellen konnte mangels Kenntnisse, Material oder Know How mussten auf Märkten oder von "Fahrenden" Händlern eingekauft werden. Die dann aber sicher nicht jede Woche da waren sondern vielleicht 1-2 mal im Jahr.
Ich denke in Europa war das nicht viel anders ich weiß das es zum Beispiel Dörfer gab die Burgen oder auch Klöstern gehörten. Damit waren diese dazu verpflichtet die Leute die die Burg oder das Kloster gewohnten mit zu versorgen und sie mussten zu ihren eigenen Feldern Wiesen und Wäldern auch noch die der Burg mit bewirtschaften dazu dürften dann noch Frondienste und die Steuern gekommen sein die auch Teils in Naturalien zu entrichten waren.
Wenn sich die Menschen spezialisiert haben dann hatten sie meistens etwas anzubieten was man nicht überall bekam wie Gold Silber und Eisenerze, Salz, hochwertige oder spezielle Hölzer und so weiter. Dort konnte man dann tauschen Ware gegen Ware.
_________________ Wenn man einem guten Freund 10 $ leiht und ihn danach nie wieder sieht, ist das eine gute Investition. Henry Ford (1863 - 1947)
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