homeforumkontakt
embjapan

Home arrow Japanisch
Japanisch lernen PDF E-Mail
Autor: Ralferly   

ImageDie Japanische Sprache

Es gibt viele Leute, die glauben, genug über die Japanische Sprache zu wissen, um bereits vor dem ersten Versuch, sich der Sprache zu nähern, festzustellen: „Das wär’ mir doch viel zu schwer!“

Doch so einfach ist die Welt nicht. Japanisch mag zwar aus vielen (noch) unbekannten Zeichen bestehen- und das wird wohl auch auf absehbare Zeit so bleiben- aber auf der anderen Seite macht besonders Japanisch es dem Anfänger leicht, weil:

  • es gibt keine (oder besser sehr selten eine) Unterscheidungen in Genus (männlich, weiblich oder sächlich) oder Numerus (Einzahl oder Mehrzahl) der Nomen wie im Deutschen
  • es gibt nur zwei Zeitformen der Verben: Gegenwart und Vergangenheit,
  • es gibt ebenso keine Unterscheidungen in Kasus und Numerus bei Verben, die Beugung der Verben geschieht (bis auf 3 Ausnahmen) streng regelmäßig
  • es gibt keine Artikel (bestimmte oder unbestimmte) sowie keine Unterscheidung in Kasus (Nominativ, Genitiv, usw.), das wird anders- und ich behaupte einmal, viel verständlicher geregelt.
  • Keine komplizierten Relativsatzkonstruktionen und keine starre Satzstellungsordnung wie im Deutschen oder Englischen (SVO oder ähnliches)
  • Damit verbunden: Auch keine festen Zeichensetzungsregeln bezüglich des Kommas

All diese Probleme, denen sich ein ausländischer Deutsch- Lerner konfrontiert sieht, werden wir also schon einmal nicht haben…
Auch wenn wir im Laufe unseres Kurses zweifelsohne auf die eine oder andere hartnäckige Schwierigkeit stoßen werden, bitte ich Euch, immer auch vor Augen zu halten, dass es neben den etlichen Verständnisproblemen, die es zu Lösen gilt, auch ebenso viele Schwierigkeiten gibt, die uns einfach erspart bleiben.

Die Japanische Schrift

Im Deutschen gibt es (abgesehen von den nicht mehr gebräuchlichen altdeutschen Buchstaben mit deren Ligaturen) nur eine Möglichkeit, Wörter aufzuschreiben: den lateinischen Buchstaben und deren Sonderzeichen (Umlaute, Eszett). Das ist im Japanischen anders. Im Japanischen existieren verschiedene Möglichkeiten, ein Wort zu schreiben, nämlich mittels:
  1. des Silbenschrift- Systems Hiragana ひらがな
  2. des Silbenschrift- Systems Katakana カタカナ
  3. der Kanji 漢字, den japanischen Ideogrammen chinesischen Ursprungs
  4. und letztendlich auch in Rōmaji, der Umschreibung (Transskription) in lateinischen Buchstaben

Während eine Kombination aus Hiragana (1) und Kkanji (3) die Regel im japanischen Schriftverkehr darstellt, werden Katakana (2) meist für ausländische Begriffe oder (besonders in der Werbung und unter Jugendlichen beliebt) zur Signalwirkung und Unterstreichung einzelner Worte verwendet.

Im Gegensatz zu den kanji, bei denen jedem Zeichen eine Bedeutung zugeordnet werden kann, aber die Aussprache je nach dem variiert (die Gründe haben hauptsächlich historischen Charakter und finden sich weiter unten), handelt es sich bei den Hiragana und Katakana um reine Silben- Alphabete“ mit je 46 Grundsilben. Das bedeutet, jedes Wort im Japanischen kann grundsätzlich in einem der beiden Systeme geschrieben und gelesen werden- wie im Deutschen mittels der lateinischen Buchstaben.

Rōmaji wird nur da verwendet, wo die ersten drei Systeme nicht verfügbar sind (z.B. bei elektronischen Datenversand auf nicht-japanischen Systemen) oder speziell für Ausländer (z.B. Stationsnamen in Bahnhöfen, Wegbeschilderungen, Firmennamen). Sonst nicht. Aus diesem Grund sollte man Rōmaji auch als das benutzen, was es ist: Eine Hilfskrücke und kein offizielles Schriftsystem. Doch mehr dazu später!

Image(Eine sehr kurze) Geschichte der Sprache

Obwohl viele verwegene Theorien und Spekulationen über die Herkunft und Entwicklung der japanischen Sprache genauso wie die frühe Geschichte der Besiedlung des japanischen Archipels kursieren, ist bis jetzt nichts Endgültiges heraus gefunden worden.

Wahrscheinlich entwickelte sich während der Jōmon- Periode aus einer sog. altaischen Ursprache das Japanisch. Die enge sprachliche Verwandtschaft zum Koreanischen lässt dies zu mindest vermuten. Allerdings war dies eine Sprache ohne Schrift.

Im 5. Jahrhundert wurden durch freundschaftliche Beziehungen zum koreanischen Staat Paekche durch Einwanderung unter anderem die chinesischen Zeichen, kanji, übernommen. Mit der Verbreitung des ebenso neu eingeführten Buddhismus, welche zu großen Teilen Prinz Shōtoku (574- 622) zugeschrieben wird, fanden diese Zeichen Verbreitung im Land. Hauptsächlich waren es Gebildete am Hof und an Tempeln, die die chinesische Sprache und deren Zeichen gebrauchten, aber es wurden ebenso viele Versuche unternommen, die bereits bestehende japanische Sprache mit den Zeichen der fremden, chinesischen Sprache in Einklang zu bringen.

Dabei stellte sich natürlich das Problem, dass die neuen Zeichen mit einer völlig anderen und damit auch ungewohnten Lesung verbunden waren. So wurden viele Versuche unternommen, die Zeichen auch für die Darstellung der eigenen Sprache zu verwenden und bekannte japanische Wörter mit Zeichen gleichen Sinngehaltes darzustellen, wodurch letztere eine neue, japanische Lesung bekamen. Allerdings hörten die Probleme damit nicht auf, denn die Grammatik des Japanischen und die des Chinesischen sind vollkommen unterschiedlich, weshalb man z.B. bei den den im Japanischen wichtigen grammatikalischen Verbindungen auf gleich klingende chinesische Zeichen zurückgriff, und so sogenannten Man’yōgana „erfand“.

Fassen wir die Situation zusammen, so wurden zu dieser Zeit im Japanischen gleichzeitig die kompliziert zu schreibenden Kanji wegen ihres Sinnes mit japanischer Lesung und ebenso Kanji ohne deren Sinngehaltes nur wegen ihrer Lesung verwendet- und das hinter einander weg in einem Satz und querbeet durcheinander! Glücklicherweise wurden im 9. Jahrhundert durch Vereinfachung solcher Man’yōgana eigene, sehr einfache Schriftsysteme entwickelt, welche das gesamte Laute- Spektrum der japanischen Sprache abdecken können: die Hiragana und die Katakana. Ein berühmter Vertreter der Gelehrten, die sich erfolgreich um eine einfache Schriftsprache bemühten, war der Gründer der buddhistischen Shingon- Sekte Kobo Daishi (eigentlich Kukai, 774- 835).

Mit der neuen Silbenschrift konnten Sinn (dargestellt duch Kanji) und Grammatik (heute mittels Hhiragana notiert) im Japansichen getrennt werden und es war nun auch weniger gebildeten Leuten möglich, Japanisch schreiben und einfache Texte lesen zu können.

ImageDurch weitere kulturelle- z.T. auch militärische- Austausche im 8. bis 10. Jhd sowie nach dem 12. Jhd, wurden auch zu späteren Zeiten neue chinesische Zeichen oder Wörter ins Land gebracht, welche aber leicht verschiedene Lesungen mit sich brachten. Daher haben Kanji meist nicht nur eine, sondern mehrere ursprünglich chinesische Lesungen.

Mit den Kolonialisierungsversuchen der westlichen Mächte und der damit einhergehenden Öffnung des isolierten Inselstaates wurde in der Mitte des 19. Jhds vom amerikanischen Mediziner, Sprachforscher und Missionar James Curtis Hepburn (1815- 1911) ein System zur Transkription, Rōmaji entwickelt, mit welchen die Japanische Sprache sich mit lateinischen Buchstaben darstellen lässt. Dieses System ist nach wie vor auch heute noch sehr häufig in ausländischen Gebrauch zu finden.

Im Jahre 1945 wurden etliche Schriftreformen durchgeführt, in deren Rahmen die Anzahl der zum Gebrauch empfohlenen Kanji auf etwa 2000 reduziert und deren Schreibweise z.T. erheblich vereinfacht worden sind.

Doch auch nach den Reformen wandelte sich die Sprache sehr stark weiter, viele neue ausländische Begriffe fanden und finden immer noch Aufnahme, viele technischen und sozialen Neuerungen finden in Wortneuschöpfungen ihren Ausdruck. Auch eine große Vielfalt an Dialekten bereichert die Sprache- und macht dem Ausländer das Leben und Verstehen schwer.

Zusammenfassung

  • Im Japanischen gibt es vier Schriftsysteme, die gleichzeitig verwendet werden.
  • Hiragana und Katakana sind Silbenschriften und können sämtliche Laute der Japanischen Sprache wiedergeben
  • Hiragana werden für einfache Wörter und grammatikalische Ausdrücke verwendet
  • Katakana werden meist für ausländische Dinge oder Namen benutzt
  • Kanji sind „sinnbehaftete“ Zeichen mit unterschiedlicher Lesung
  • Rōmaji wird die Transskription mittels lateinischer Schrift genannt

Lesen Sie weiter mit den Ausführungen zu den Hiragana

Weiterführende Tipps

Sprachreisen Japan
Sprachreisen Japan mit Stepin