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Die Axt im Chrysanthemenwald PDF E-Mail
Autor: Bijin   
Dienstag, 22. Dezember 2009
Die Axt im ChrysanthemenwaldDie Autoren Andreas und Kerstin Fels hatten während ihrer ersten Japanreise gemerkt, dass man sich nicht genug für dieses Land vorbereiten kann. Denn selbst, wenn man wie Andreas Fels Japanologie studiert, warten doch so einige Stolperfallen im ostasiatischen Dschungel des richtigen Benehmens. So entstand die Idee zu diesem Buch. Die beiden Autoren schicken dafür an Stelle des Lesers einen fiktiven Herrn Hoffmann auf Geschäftsreise nach Japan.
Herr Hoffmann macht es mit seinem zum Teil unwissend-infantilem Verhalten den Beiden einfach, ihn als Negativbeispiel darzustellen und ihr Wissen über Sitten und Bräuche im Land der aufgehenden Sonne dem geneigten Leser kundzutun.

Denn Herr Hoffmann stolpert in so ziemlich jedes erdenkliche Fettnäpfchen, dass in einer fremden Kultur wie Japan für einen unvorbereiteten Gast bereitgehalten wird. Damit es dem Leser nicht wie Herrn Hoffmann ergeht, sind in diesem Buch die Top-50 dieser faux-pas geschildert, die man als Gast in Japan so nicht unbedingt nachmachen sollte. Im Konkreten lautet dies:
  • Vorwort
  • Herr Hoffmann… hat die Welt gesehen- Weltmännische Ansichten über Japan an sich und andere Missverständnisse
  • Herr Hoffmann… verwechselt Namen- Hinz und Kunz auf Japanisch
  • Herr Hoffmann… gibt Trinkgeld- Vier Erdbeben pro Tag
  • Herr Hoffmann… isst mit Stäbchen- Wie ein Verbot zur Erfindung von Sushi führte
  • Herr Hoffmann… geht baden- Wo ist eigentlich die Wasserrutsche?
  • Herr Hoffmann… stellt sich vor- Visitenkarten-Terror
  • Herr Hoffmann… schenkt sich nach- Trinken steht über dem Militär
  • Herr Hoffmann… gibt die Hand- Von unangenehmen Grüßen und Handgreiflichkeiten
  • Herr Hoffmann… ekelt sich- Wenn man beim Essen von Schuldgefühlen geplagt wird
  • Herr Hoffmann… setzt sich- Durstiges Opfer fortgeschrittenen Sitzordnungsmanagments
  • Herr Hoffmann… die Sache mit der Toilette- unerfreuliche Begegnung mit der Klangprinzessin und ihrem Hightech-Freund
  • Herr Hoffmann… greift zum Mikrofon- Karaoke für die Karriere
  • Herr Hoffmann… lässt die Schuhe an- Eine hygienische Todsünde
  • Herr Hoffmann… füttert Tiere- Haarige Erlebnisse mit der leckeren Brotzeit
  • Herr Hoffmann… bevorzugt koreanische Technik- Gedämpfte Bierlaune als Folge falscher Technikfreude
  • Herr Hoffmann… gibt sich zwanglos- Körpergeräusche sind ok – solange es die richtigen zur richtigen Zeit sind
  • Herr Hoffmann… hat etwas gegen Tattoos- Große Reise mit unter die Haut gehenden Peinlichkeiten
  • Herr Hoffmann… freut sich über Komplimente- Die hohe Kunst der gepflegten Bescheidenheit
  • Herr Hoffmann… fährt Taxi- Orientierungslos im Großstadt-Dschungel
  • Herr Hoffmann… trägt sein Sakko offen- Über das Aufregerpotential luftiger Kluft
  • Herr Hoffmann… empfindet berufliches Vergnügen- Spaß und Arbeit gehen nicht zusammen
  • Herr Hoffmann… sucht einen Mülleimer- Kann man Schweiß eigentlich trinken?
  • Herr Hoffmann… erwartet eine klare Antwort- Ja oder ja?
  • Herr Hoffmann… bekommt böse Blicke- Selbstmord-Ärgernisse und eine Fahrt im Super-Zug
  • Herr Hoffmann… stoppt Gotteslästerung- Eine rote Mütze schafft religiöse Missverständnisse
  • Herr Hoffmann… verpasst dass Thema- Wie bei Partys: Die Wichtigsten kommen zum Schluss
  • Herr Hoffmann… macht einen Witz- Humoristische Tabu-Zonen
  • Herr Hoffmann… ist spontan- Kirschblüten: ein Land im Ausnahmezustand
  • Herr Hoffmann… hat Hunger- Pachinko- seltsam und sehr, sehr laut
  • Herr Hoffmann… in der Mädchen-Zone- Was passiert hinter dem Vorhang der pinken Automaten?
  • Herr Hoffmann… missachtet das ki- Ein Fall für Gedankenleser: Befindlichkeiten Anderer im Auge behalten
  • Herr Hoffmann… parfümiert sich- Ein Potpourri aus Duft und Betrübnis
  • Herr Hoffmann… verteilt Geschenke- Norddeutscher Kitsch und schlafende Menschen in der U-Bahn
  • Herr Hoffmann… wird rausgeworfen- je später der Abend desto müder die Gäste
  • Herr Hoffmann… ärgert sich- Mentales Nitroglyzerin in gefährlicher Umgebung
  • Herr Hoffmann… beobachtet einen verbotenen Kuss- im ultimativen Trend-Viertel, Treffpunkt: Treuer Hund
  • Herr Hoffmann… ist ein Macher- Kurzstreckenläufer im Businessmarathon
  • Herr Hoffmann… liest Manga- Von Astro-Boy bis zu gefesselten Schulmädchen
  • Herr Hoffmann… trägt Straßenbekleidung- Textile Peinlichkeiten in traditioneller Unterkunft
  • Herr Hoffmann… macht es sich bequem- Auch Sitzen will gelernt sein
  • Herr Hoffmann… putzt sich die Nase- Kaltes Grauen in textilen Tüchern
  • Herr Hoffmann… meint`s nicht so- Ein gewagter Drahtseilakt namens Ironie
  • Herr Hoffmann… isst das beste Fleisch der Welt- Sake-Massagen für glückliche Rinder
  • Herr Hoffmann… als Gentleman alter Schule- Ladies First als Blindgänger im Land des Lächels
  • Herr Hoffmann… schert alle über einen Kamm- Nicht alle Asiaten spielen Ping Pong…
  • Herr Hoffmann… verbeugt sich- Ein Fall für Winkelmesser
  • Herr Hoffmann… bringt Blumen mit- Freude und Verlegenheit als ungleiche Zwillinge
  • Herr Hoffmann… gestikuliert- Gefahren und Tücken der Körpersprache
  • Herr Hoffmann… und Schatten der Vergangenheit- Unruhe am Schrein des friedlichen Landes
  • Herr Hoffmann… kommt zum Essen vorbei- Kartoffelsalat als Eingriff in die Privatsphäre
  • Herr Hoffmann… ist ein herzlicher Mensch- Sich selbst am nächsten sein- den Anderen zuliebe
  • Epilog

Es gibt so einige Bücher über Verhaltens-„Weisheiten“, die angehende Japanreisende erstehen können. Was also bietet „Die Axt im Chrysanthemenwald“, was andere Bücher nicht auch schon aussagen? Wie es sich für einen Reisebegleiter gehört, ist das Buch im Taschenbuchformat erhältlich und mit seinen 254 Seiten fällt es auch nicht allzu dick aus. Ein Begleiter für die Hand- oder Jackentasche, zum Lesen zwischendurch oder zum Feierabend einladend. Es wird im ganzen Buch gänzlich auf ausschmückende Bilder verzichtet, dafür weist es etliche Fußnoten auf. Diese sind zwar leider sehr klein gedruckt, dennoch sollte der beflissene Leser nicht darauf verzichten, sie zu lesen- mal enthalten sie einen humoristischen Seitenhieb, dann wieder eine informative landeskundliche Erklärung zu Sitten, Kultur und Bräuchen. Das ausführliche Register am Anfang des Buches lädt dazu ein, es entsprechend des Interesses an der für den Leser gerade wissenswerten Begebenheit auf zu schlagen. Weitere Querverweise zu anderen Kapiteln findet man in den schon erwähnten Fußnoten und so erschließt sich das Eine aus dem Anderen.
Kerstin und Andreas Fels, durch und durch Japanbegeisterte, die ihrer Faszination auf der gemeinsam betriebenen Webseite „Japanlink“ Ausdruck verleihen, haben sich ihre Arbeit an den Kapiteln gerecht geteilt und so sind die Aussagen, die sie über Herrn Hoffmanns Fehlverhalten treffen, in den meisten Fällen geschlechtsübergreifend zu verstehen. Beide Autoren halten sich nicht mit langatmigen Geschichten über Land und Leute auf, sondern lassen Herrn Hoffmann eine Fettwanne nach der anderen besteigen, um anschließend das Fehlverhalten zu analysieren und natürlich auch gleich mit der Lösung des Problems aufzuwarten. Wobei die von mir lieb gewonnen Fußnoten das Ganze abrunden, denn Land und Leute sollen ja dann doch nicht zu kurz kommen.

Kerstin und Andreas Fels
Die Axt im Chrysanthemenwald
50 Wege sich in Japan zu blamieren

CONBOOK Verlag, Kaarst
ISBN: 978-3-934918-27-6
Preis: 12,90 €

Des Teutonens Axt trifft auf zarte Chrysanthemenblüte
Besonders gefallen an dem Buch hat mir die Art der Analyse, bei der nicht nur das Fehlverhalten aufgezeichnet, sondern auch erklärt wird, wie dieses Verhalten auf einen Japaner wirkt und warum es in seinen Augen verwerflich ist. Wer ein Buch sucht, mit kurzen prägnanten Fehleranalysen, damit er bei seinem Gang durch den Chrysanthemenwald kein zartes Pflänzchen knickt oder gar unbewusst ganze Bambusrodungen fällt, trifft mit Kerstin und Andreas Fels’ Buch „Die Axt im Chrysantemenwald“ eine gute Wahl. Wir werden es vielleicht nicht schaffen, alle Fettnäpfchen zu umschiffen, aber die Größten werden wir so doch auslassen können. Ach und wer meint, dass er so ein Buch nicht braucht, der kann ja mal auf der Seite des Verlages das Blamage-Quiz machen. 10 von 10 standhafte Bücherchrysanthemen!
 
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