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| Holzkultur Japan |
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| Autor: Alexcom | |
| Freitag, 19. Februar 2010 | |
Schon allein das Format von 25 cm Breite und 31 cm Höhe macht dieses Buch zu etwas Besonderen- es ist kein Taschenbuch und lässt sich nur schwerlich in Rucksack oder einer Tasche verstauen, denn zum transportablen Lesegenuss ist dieses Werk auch gar nicht gedacht. Selbst für die Hausbibliothek ist das Format schon eher als etwas unhandlich zu bezeichnen, dafür aber lädt das Buch, soviel soll zu Beginn verraten werden, geradezu dazu ein, in Ruhe zu Gemüte geführt zu werden.
Dabei geht der Autor nicht nur auf die Gegenstände und Gebäude, die aus Holz im alten und neuen Japan errichtet und hergestellt werden, ein, sondern widmet detaillierte Beschreibungen den Vorgängen auf den Baustellen, der Herstellung und Vorbereitung der Materialien- jedoch handelt es sich nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, um Bauanleitungen. Vielmehr wird zum Ausdruck gebracht, welche Philosophie hinter vielen der in Europa und Amerika unüblichen Fertigungs- und Bauweisen steckt. Dabei klingt das Thema des Buches zunächst vielleicht ein wenig sperrig, etwa so sperrig wie sein Format: „Holzkultur Japan“. Dass sich hinter diesem bescheidenen Schlagwort wesentlich mehr verbirgt, als man zu nächst annehmen mag und dass das Buch nicht nur die Augen von Zimmerleuten, Tischlern, Bautischlern oder Schnitzern, sondern auch die gewöhnlicher Japan-Freunde mit Interessen auf dem Gebiet der Architektur, des Handwerks, der traditionellen Künste oder typisch-japanischer Alltagsgegenstände zum Leuchten bringt, verrät wohl schon der Blick ins Inhaltsverzeichnis: Nicht einmal speziell für Japan muss man sich interessieren, um dieses Werk bereits nach den ersten Seiten ins Herz zu schließen und sein Eigen nennen zu wollen.
Bereits der Abschnitt über Holzbrücken lässt erahnen, dass dieses Buch von einem Spezialisten für Spezialisten geschrieben wurde, denn wer nicht bei den für den Holzbau typischen Spezialbezeichnungen sattelfest ist, kommt mit seinem Lesefluss schon leicht in stocken. Da wird eine aufgeschlagene Enzyklopädie in Griffnähe zu einer dankbaren Hilfe, um den handwerklichen Hintergrund vollständig zu verstehen: Kragträger, Auslegerbalken, Schwalbenschwänze, aufgekämmte Querbalken- nur um einige der Spezialbegriffe zu nennen. Die zahlreichen, stimmungsvoll in Szene gesetzten Fotografien und detaillierten Abbildungen helfen jedoch auch dem Laien, den Erklärungen folgen zu können. Sie beziehen sich direkt auf das vorgestellte Werk und zeigen dies in verschiedene Stadien der Fertigstellung. So erhält man aus den Abbildungen, den zugehörigen Untertiteln und dem Text eine eine plastische Vorstellung vom Bauablauf bzw. von der Herstellung. Gleichzeitig kann man sich ebenso einige Denkanstöße sowie Ideen für gestalterische Maßnahmen aus dem Beschriebenen für sich selbst heraus ziehen und mit etwas handwerklichen Geschick und dem notwendigen Werkzeug in die Tat umsetzen. Für die Do-it-yourself-Fraktion werden daher sicher die letzten Abschnitte der Kapitel von Interesse sein, in dem die Werkstatt, der Meister und die Herstellung des Werkstücks vorgestellt werden. Hier findet man auch mehr oder weniger detailliert die Arbeitsschritte die zur Herstellung notwendig sind. Für alle anderen, auch für die mit zwei linken Daumen im Geiste wie an der Werkbank, werden die vorangehenden Abschnitte- denn jedes Kapitel zu einem anderen japanischen Holzgegenstand ist nach einem recht ähnlichen Muster aufgebaut- ein Lesegenuss darstellen: Diese widmen sich der Geschichte und der Verbreitung des Werkstückes, beschreiben jeweils die verwendeten Materialien Holzarten und ihren Eigenschaften, die Vorbereitung für den jeweiligen Herstellungsprozess und die Verbreitung und Geschichte der jeweiligen Handwerker. Auch wird die Situation in der Blütezeit des jeweiligen Handwerkes und seine Situation zum derzeitigen Zeitpunkt, die Häufigkeit der noch vorhanden Werkstätten sowie die Aussichten in der nahen Zukunft in Bezug auf Ökonomie und die Fortführung der Tradition beschrieben. Ferner werden, soweit dies möglich ist, auch Preise genannt. Somit bekommt erhält man einen groben Überblick, was originale japanische Handwerkskunst kosten kann- und was die Kundschaft auch bereit ist, zu zahlen. Leider ist es auch in Japan so, dass viele traditionelle Handwerke und Fertigkeiten mit den letzten Meistern aussterben, welche sie derzeit noch ausüben- von schwindender Nachfrage oder ausbleibenden Nachwuchs für traditionelle Berufe (meist kann sollte man eher von einer Berufung sprechen) können auch die Meister im Land der aufgehenden Sonne ein Lied singen. Der Autor kann deshalb auch nicht nur als Vermittler, sondern zu einem Teil auch als Bewahrer traditioneller japanischer Handwerkskunst bezeichnen werden. Und das zu Recht! Christoph Henrichsen Holzkultur in Japan Bauten, Gegenstände,Techniken Birkhäuser-Verlag für Architektur, Basel Preis: 29,90 € ISBN 3-7643-7021-1 Brücken (und Anderes) bauen! Der Autor führt uns in die traditionelle Welt des japanischen Holzhandwerkes ein, ohne den Leser dabei auf den sprichwörtlichen Holzweg zuführen, auch wenn er bei seinem Vorhaben nur an der Oberfläche kratzen kann. Und baut Brücken zu den fernöstlichen Holz-Welten. Ebenso er zeigt uns Lesern auch, dass es in Japan, wo dem Hörensagen aus dicken Reiseführern nach Tradition und Moderne so wunderbar harmonieren, nicht einfach ist, ersteres zu bewahren, um nicht für immer verloren zu gehen. Das Buch ist daher wie ein Samenkorn, das der Autor versucht zu pflanzen, auf dass das hiesige Verständnis in die Zukunft wie ein Keimling Wurzeln schlägt und zu einem gesungen Baum heranreife. Ein Versuch, der ihm der Meinung des Rezensenten nach, auch durchweg gelingen mag. Für wenn könnte dieses Buch interessant sein? Nun, zum Beispiel für Köche, Musiker, Teetrinker, Liebhaber von Alkohol, Amateur-Geishas, Spieler, Schauspieler: Dampftöpfe, Holzlöffel und Süßigkeitenformen. Trommeln, Brettzither und Spießlaute. Teehäuser und Teedosen. Sake-Fässer. Kämme und Geta-Sandalen. Spielbretter. Masken. Die Interessengebiete, die Japan-Freunde miteinander teilen, sind so vielfältig, dass auch die Leserschaft, die „ihr Steckenpferd“ in dem Buch vertreten findet, ebenso weit gefächert sein dürfte. Daher vergebe ich für dieses verbindende und interkulturelle Brückenbauwerk 10 von 10 tragenden Elementen. |
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Schon allein das Format von 25 cm Breite und 31 cm Höhe macht dieses Buch zu etwas Besonderen- es ist kein Taschenbuch und lässt sich nur schwerlich in Rucksack oder einer Tasche verstauen, denn zum transportablen Lesegenuss ist dieses Werk auch gar nicht gedacht. Selbst für die Hausbibliothek ist das Format schon eher als etwas unhandlich zu bezeichnen, dafür aber lädt das Buch, soviel soll zu Beginn verraten werden, geradezu dazu ein, in Ruhe zu Gemüte geführt zu werden.




