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Japanische Farbholzschnitte PDF E-Mail
Autor: Song Jiang   
Sonntag, 28. Juni 2009
Japanische FarbholzschnitteKaum eine Kunstrichtung Japans hat die europäischen Künstler so sehr beeinflusst, wie die der Ukiyo-e, die „Bilder der fließenden Welt“. Namhafte Künstler im Europa des ausgehenden 19ten Jahrhunderts griffen die Kunstgattung das farbigen, japanischen Holzdrucke aus dem soeben sich dem Westen geöffneten Land auf, imitierten, plagiierten diese unter anderem sogar und nahmen sie begeistert in ihrer Stilistik auf- unter ihnen Baudelaire, van Gogh, Moucha, Picasso und Renoir. Dieser, bis heute sehr geschätzten und in Stilrichtung nachgeahmten Kunst, widmet die Autorin Gabriele Fahr-Becker einen großzügigen Bildband mit dem Titel „Japanische Farbholzschnitte“.

Entgegen der üppigen Ausstattung des Buches nimmt sich das Inhaltsverzeichnis recht bescheiden aus:
  • Ukiyo-e, Entstehung und Geschichte (von Mitsunobu Satō)
  • Kirsch- Holz- Blüten (von Thomas Zacharias)
  • Farbtafeln und Bilderläuterungen
  • Lexikon der Fachbegriffe
  • Künstlerbiographien
  • Danksagung und Literatur

Der erste bedeutende Künstler der Ukiyo-e und vermutlich auch der Begründer dieser Kunstrichtung war Hishikawa Moronobu (ca. 1616/18-1694), welcher als Schüler der Kano und Tosa-Schulen, Szenen aus dem alltäglichen Leben auf Holzschnitte bannte. Dieser prägte auch den Begriff des „Bilder der fließenden Welt“, da sie seines Erachtens nach, genau diese darstellten. Eine Welt die sich im ewigen Fluß befand. Zu dieser Zeit gab es noch sehr wenige Holzdrucke und diese wenigen beschränkten sich eher auf farblose Abbildungen im Buchdruck. Die eigentliche Hochzeit erlebte die Kunst der Ukiyo-e während der Genraku- und späteren Tenmei-Periode. Zu dieser Zeit kamen einige sehr bekannte Künstler hervor, die sich vornehmlich mit der Illustration im Buchdruck und den Bijin-ga beschäftigten. Einer der bekanntesten unter ihnen war Kitao Shigemasa, der Meister des ebenso bekannten Masanobu. Doch mit der Einführung des Vielfarbendrucks um das 18 Jahrhundert, entwickelte sich in Edo eine wahre Ukiyo-e-Industrie, die in wenigen Jahrzehnten bis zum Ende der Edo-Periode, durch hunderte von Künstlern und Verlegern, Millionen von Holzfarbschnitten anfertigten. Durch die Öffnung Japans und die Einführung der neuen Techniken wie Photographie und Drucktechniken blieb in der japanischen Gesellschaft, die nach moderneren Künsten verlangte, kein Platz mehr für die Ukiyo-e.
Der Bildband „Japanische Farbholzschnitte“ beschäftigt sich vornehmlich mit den gedruckten Farbholzschnitten der Ukiyo-e, obwohl diese natürlich auch gemalte Bilder umfasst. Besonders hervorzuheben ist die detaillierte Beschreibung der Entwicklung der Ukiyo-e von Mitsunobu Satō, der mit diesem Diskurs durch die Geschichte des Ukiyo-e eine wunderbare und genaue Beschreibung der Ukiyo-e und seiner Entstehung liefert. Im nächsten Kapitel geht Thomas Zacharias nochmals genauer auf das Wesen der Ukiyo-e und ihrer Bedeutung und Adaption in der westlichen Welt ein. Dabei geht der Autor nicht nur auf die oberflächliche Bedeutung ein, sondern beschreibt, ebenso detailliert wie sein Vorgänger die Wesensmerkmale der Ukiyo-e.
Darauf folgt das eigentliche Herzstück des Buches, die Darstellung diverser Werke der größten und bekanntesten Künstler der Ukiyo-e. Hier findet man Namen wie Isoda Koryusai, Kitao Masanobu, Chokosai Eisho und natürlich, dem uns im Westen wohl bekanntesten Katsushika Hokusai. Die zahlreichen und oft großzügig abgedruckten Bilder sind einerseits mit kleinen Informationskästchen versehen, die den Künstler, den Titel, das Format, die Technik, den Verlag sowie das Datum nach japanischer Zeitrechnung und auch entsprechend des gregorianischen Kalenders nennen, andererseits mit ausführlichen Texten zur Bedeutung und den Hintergründen der dargestellten Motive, Szenen und Personen. So wird man auf den farbenfrohen 156 Seiten unweigerlich in den Sog der faszinierenden Welt der Ukiyo-e gezogen, welche man mithilfe der Bildbeschreibungen und Erläuterungen auch erst wirklich zu begreifen und zu verstehen beginnt. Nach der ausführlichen Darstellungen eines Teils der größten Werke der Ukiyo-e findet der Leser noch kurze, aber dafür sehr ausführliche Künstlerbiographien, die die zum Verständnis der Werke helfen und diese in die Geschichte der Ukiyo-e einordnen. Einen Abschluss des Buches bilden die Literaturangabe und Danksagung.

Gabriele Fahr-Becker
Japanische Farbholzschnitte

Taschen Verlag, Köln
ISBN: 978-3822834732
Preis: 9,99 Eur

Hardcover für die Kunst der fließenden Welt
Das Buch „Japanische Farbholzschnitte“ von Gabriele Fahr-Becker, liefert alles, was der Leser benötigt um diese beeindruckende Kunstrichtung zu verstehen. Hierbei kommen auch die Geschichte und Interpretation der Werke nicht zu kurz. Mit dem großzügig gewählten Format von 30,8 x 24,8 x 2 cm wird der Bildband auch der Darstellung der Werke gerecht und ist mit einem Kampfpreis von nicht einmal 10 Euro zum Jubiläum des Taschen Verlags kaum zu schlagen. Für alle, die sich auch nur im Entferntesten für die Kunst des Ukiyo-e interessieren, ist dieses Werk eine absoluter Pflichtinvestition und verdient damit uneingeschränkte 10 von 10 fließenden Welt-Sternchen.
 
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