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Schwert und Samurai PDF E-Mail
Autor: Sorata   
Donnerstag, 12. Februar 2009
Schwert und SamuraiDas japanische Schwert-Mythos, geheimnisumwobenes Stück Handwerkskunst, Spiegel einer Jahrhunderte alten Nation. Es ranken sich viele Geschichten und Mythen um diese Waffe- und nur der Ruf derer, die sie führten, ist vermutlich noch reicher an unglaublichen Geschichten, Geschichten von großen Schlachten, Duellen und heroischen Erzählungen. Lässt man jedoch jene Heldensagen einmal außen vor, so müssen wir uns doch auf das Wesentliche konzentrieren: dass Männer in vergangener Zeit sich dem Schwert hingaben und sich in seinem Gebrauch übten.

„Der Weg ist das Ziel“ - ein Ausspruch, der sehr passend ist für den „Weg in den Kampfkünsten“.
Das vorliegende Buch, geschrieben von Heiko Bittmann und Andreas Niehaus, reiht sich ein in die Riege der Bücher, welche uns das Studium der Kampfkünste auf literarische Art und Weise näher bringen wollen. Der genauere Blick ins Inhaltsverzeichnis offenbart Folgendes:
  • Vorwort
  • 1. Einführung
  • 2. Schwert und Samurai in der Edo-Zeit
  • 3. Fünfunddreißig Paragraphen zu den Methoden des Gefechts
    • 3.1. Historischer Kontext
    • 3.2. Miyamoto Musashi - „Fünfunddreißig Paragraphen zu den Methoden des Gefechts“ (1641)
    • 3.3. Erläuterungen zum Text
  • 4. Traktat zur Methode des Schwertes von Meister Ittōsai
    • 4.1. Historischer Kontext
    • 4.2. Kotōda Toshisada - „Traktat zur Methode des Schwertes von Meister Ittōsai“ (1664)
    • 4.3. Erläuterungen zum Text
  • 5. Keimblatt der Kunst
    • 5.1.Historischer Kontext
    • 5.2. Kokenken Ryokusui - „Keimblatt der Kunst“ (1787)
    • 5.3. Erläuterungen zum Text
  • Japanisches Schwert – Nihontō
  • Zeittafeln
  • Abkürzungen
  • Bibliographie
  • Stichwortverzeichnis

„Schwert und Samurai- Traktate zur japanischen Schwertkunst“ beinhaltet dazu Übersetzungen dreier japanischer Klassiker zur Kampfkunst und zur Ausbildung des Menschen, der sich den Kampfkünsten hingibt. Angefangen bei allgemeinen Regeln in Bezug auf die richtige Körperhaltung, über den korrekten Gang, bis hin zu moralischen und philosophischen Ausführungen, gibt das Buch, welches nicht nur durch seine gute Übersetzung besticht, dem Leser eine Fülle an Zusatzinformationen und Randnotizen zur Hand, so, dass dieser nicht nur eine kahle Übersetzung der Schrift bekommt, sondern eine Basis an Informationen. Informationen, die es ihm erleichtert, den ihm vorliegenden Text besser zu verstehen. So ist es auch die Stärke des Buches, dem Leser nie das Gefühl geben zu müssen, „alleine“ gelassen worden zu sein. Das Buch gliedert sich in eine Einführung, gefolgt von einer kurzen Abhandlung über das Schwert und die Samurai in der Edo-Periode und geht dann über zu den Übersetzungen der drei japanischen Werke. Diese sind wiederum in eine Einordnung in den historischen Kontext, die eigentliche Übersetzung und anschließende Erläuterungen unterteilt. Das Buch endet mit einer Darstellung des japanischen Schwertes, einer sowohl japanisch wie chinesischen Zeittafel, einem Abkürzungsverzeichnis, einer ausführlichen Bibliographie sowie einem Stichwortverzeichnis.
Bei den übersetzten Werken handelt es sich um die „Fünfunddreißig Paragraphen zu den Methoden des Gefechts“ von Miyamoto Musashi, dem „Traktat zur Methode des Schwertes von Meister Ittōsai“, geschrieben von Kotōda Toshisada und dem „Keimblatt der Kunst“ von Kokenken Ryokusui.
Die „Fünfunddreißig Paragraphen zu den Methoden des Gefechts“ sind dabei eine Abhandlung zu den Prinzipien seiner Schwertschule, der Niten Ichiryū („Zwei-Himmel-Einheits-Schule“). Diese Abhandlung wurde noch vor dem „Go-rin-no-sho“ („Das Buch der Fünf Ringe“) verfasst, Musashis wohl berühmteste Veröffentlichung. Musashi legt dar, welche Aspekte und Gedanken ihn während des Studiums der Schwertkunst begleiteten und versucht sie für die Nachwelt, aber auch für die Nachkommen seiner Schule, festzuhalten: Angefangen bei der Namenswahl seiner Schule, über den Weg in der Kunst, dem richtigen Greifen des Schwertes, bis hin zu Ausführungen und Erläuterungen der inneren Philosophie in der Schwertkunst. Technische wie philosophische Aspekte führt Musashi auf, um dem Leser einen Einblick in seine Schule und die Schwertkunst zu ermöglichen.
Das „Traktat zur Methode des Schwertes von Meister Ittōsai“ wurde nur wenige Jahre später verfasst und behandelt die Schwertkunst der Ittōryū, der Ein-Schwert Schule. Toshisada, geboren 1622, lernte die Schwertkunst von seinem Vater und verfasste 1653 eine erste Ausgabe des vorliegenden Werkes, welches 1664 als endgültige Form herausgegeben wurde. Ähnlich dem Werk von Musashi, reiht sich Toshisadas in die Reihe der Schulüberlieferungen ein und gibt den Angehörigen der jeweiligen Schule ein tieferes Verständnis für ihre Schwertkunst. Aber auch Anfänger und Anhänger anderer Schulen werden allgemeine Prinzipien und Philosophien für ihr Training aus diesem Buch ziehen können. Die Abhandlung von Toshisada geht mehr in die Richtung philosophischer Überlieferungen zur Schwertkunst, als dass direkt technische Aspekte dargelegt werden. Wurde bei Musashi noch explizit auf den richtigen Gang oder die korrekte Körperhaltung eingegangen, stehen bei Toshisada mehr die inneren Aspekte der Kunst im Vordergrund: Das eine Niederlage auch ein Sieg bedeuten kann oder wie man sich dem Gegner anzupassen hat, wie die eigene Ausstrahlung auf den Gegenüber wirken muss oder das Verhältnis von Prinzip und Technik- all diese inneren Ausprägungen der Kunst werden behandelt. Obwohl es oftmals etwas schwierig ist, vor lauter philosophischen Gleichungen nicht den Blick fürs Wesentliche zu verlieren, ist es durch die vielen vom Übersetzer hinzugefügten Fußnoten gut möglich, dem Autor bei seinen Gedankengängen zu folgen.
Das „Keimblatt der Kunst“ ist das am spätesten veröffentliche Buch dieses Trio zur Schwertkunst. Es wurde 1787 im Suwaraya Verlag veröffentlicht und von seinem Autor als Allgemeinwerk für eine breite Leserschaft bezeichnet, welche schulübergreifend Nutzen aus seinem Buch ziehen sollte. Es steht in direkter Relation zum „Tengu geijutsuron“ („Diskurs über die Kunst der Bergdämonen“) von Issai Chozan aus dem Jahre 1727. Im „Keimblatt der Kunst“ wird dem Verhältnis von Fluidum, Herz und Technik große Bedeutung beigewohnt. Es ist das philosophischste der drei Bücher und geht nicht mehr auf technische, sondern rein auf philosophische Aspekte in der Schwertkunst ein. Hatte man am „Tengu geijutsuron“ Gefallen gefunden, wird man sich auch mit diesem Werk sehr schnell anfreunden und seinen Nutzen daraus ziehen können.

Heiko Bittmann, Andreas Niehaus
Schwert und Samurai
Traktate zur japanischen Schwertkunst

Verlag Heiko Bittmann, Ludwigsburg
ISBN: 3-9807316-3-4
Preis: 21,50 €

Vom Verständnis der Schwertkunst
Das Buch Schwert und Samurai – Traktate zur japanischen Schwertkunst, gibt einen guten Einblick in die technischen und philosophischen Grundlagen klassisch japanischer Schwertschulen und darüber hinaus bietet es eine Fülle an Zusatzinformationen die zum Weiterstudium anregen. Für Ausübende der Kampfkunst wird hier ein gutes Werk dargeboten, wenn man sich auch näher mit der Materie beschäftigen und nicht nur an der Oberfläche kratzen möchte. Insbesondere diejenigen, die sich dem Weg des Schwertes verschrieben haben, können viele interessante und nutzbringende Informationen aus diesem Buch herausziehen. Von mir gibt es daher für dieses Werk 10 von 10 Schwert-Sternen. Kaufempfehlung
 
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