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| Was-ist-Was Samurai |
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| Autor: Konbeto-san | |
| Mittwoch, 14. Oktober 2009 | |
Als kleines Kind von etwa 8 oder 9 Jahren stand ich in der Buchhandlung einmal vor einer schwierigen Entscheidung: „Wale und Delfine“ oder „Samurai“? Nach kurzem Abwägen wählte ich die japanischen Krieger. Diese banal anmutende Geschichte ist gar nicht so unbedeutend, sollte doch jener 94. Band der Was-ist-was-Reihe eine entscheidende Rolle dabei spielen, meine nunmehr fast zwei Jahrzehnte andauernde Faszination für Japan zu wecken. Gleichwohl, wenn ich mit meinem heutigen Wissen auf das Buch zurückblicke, bin ich auch ein wenig peinlich berührt ob der offensichtlichen qualitativen Schwächen. Dies hat auch der Tessloff-Verlag erkannt und sich zu einer kompletten Überarbeitung entschieden, die 2006 veröffentlicht wurde. Diese habe ich etwas genauer unter die Lupe genommen.
Typisch für die Was-ist-Was-Reihe unterteilen viele kleine Fragen die groben Kapitel. Darunter finden sich sowohl ganz grundlegende, wie „Was ist ein Samurai“ als auch sehr spezielle, wie „Wie arbeitete ein Schwertfeger?“. So lassen sich aus dem Inhaltsverzeichnis bequem je nach Interesse bestimmte Themen auswählen und nachschlagen. Zudem geben die insgesamt 38 Fragen einen guten Eindruck davon, welche Fülle an Informationen hier auf nur 48 Seiten gesammelt wurde. So sieht das Inhaltsverzeichnis aus:
Wie schon angesprochen handelt es sich um eine komplette Neubearbeitung des Themas. So wurde auch ein anderer Autor beauftragt als bei der Erstausgabe. Der Österreicher Peter Pantzer ist als emeritierter Professor für Japanologie an der Universität Bonn ein echter Experte auf diesem Gebiet. Wer jetzt jedoch eine wissenschaftlich-trockene Abfassung befürchtet, den kann ich beruhigen: Pantzer schreibt in einer meist leicht verständlichen Sprache. Es ist erstaunlich, wie es ihm gelungen ist, teils schwierige Zusammenhänge auf ein einfaches Niveau herunterzubrechen, so dass tatsächlich auch die Zielgruppe, Kinder ab 8 Jahren, bedient wird. Ein großer Pluspunkt gegenüber der vorigen Ausgabe ist die Konzentration auf die wesentlichen Themengebiete. Das Kapitel über Ninja ist komplett verschwunden und offenbar hat man auch eingesehen, dass die minutiöse Darstellung der rituellen Selbsttötung oder von Waffentests an lebenden Gefangenen nicht unbedingt das ist, was Kinder als erstes über Samurai lernen sollten. Hier wird weniger der Mythos bedient, als eine Auseinandersetzung mit dem tatsächlichen Alltag der Samurai gefördert. Das heißt nicht, dass Themen wie seppuku verschwiegen werden; vielmehr wird die Relation zu anderen Themen zurecht gerückt. Sehr interessant und hilfreich sind die vielen Einschübe, die die fortlaufende Erzählung unterbrechen. So findet man gleich zu Anfang „eine kleine Landeskunde“, die sowohl über das heutige Japan informiert als auch eine Karte zeigt, auf der die für die Samurai wichtigsten Orte und Bauwerke dargestellt sind. Auch ein Vergleich zwischen Samurai und europäischem Ritter ist vorhanden. In diesem wird aber nicht unsinnigerweise versucht, à la Galileo Mystery die beiden Krieger in einem fiktiven Kampf gegeneinander antreten zu lassen, sondern Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer sozialen und politischen Rollen herausgearbeitet. Neben dem Text liegt die Stärke des Buchs aber auch ganz eindeutig in der visuellen Aufbereitung: Die Seiten wirken nicht mehr so steril wie beim Vorgänger, bleiben aber trotzdem aufgeräumt und übersichtlich. Auf jeder Seite findet man mindestens eine Abbildung, meisten sogar mehrere. Das sind häufig aktuelle, sowie auch einige zeitgenössische Fotos aus der Meiji-Zeit, die Gebäude, Szenerien oder Ausstellungsstücke aus Museen zeigen. Highlights sind aber die zeitgenössischen Gemälde und vor allem die Illustrationen von Hauke Kock, die passend zum Inhalt des Texts beispielsweise die Landung portugiesischer Seefahrer oder eine Familie beim gemeinsamen Mahl darstellen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Kind, auch wenn es gerade keine Lust zum Lesen hat (ja, das soll vorkommen), gerne zu diesem Buch greift, um einfach durch die bunten Seiten zu blättern. Lehrreich ist auch das einzige im Buch zu findende Kuchendiagramm, das über die Zahl der Samurai im Vergleich mit anderen Bevölkerungsgruppen informiert. Dass nicht alle Japaner früher Samurai waren, werden viele vielleicht wissen- aber dass ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung lediglich etwa 10 Prozent ausmachte? Hilfreich sind außerdem die Aussprache-Hilfe für japanische Wörter auf der ersten Seite sowie eine Zeittafel und ein Index am Ende des Buches. Während die Zeittafel die Unterteilung in die verschiedenen japanischen Epochen seit der Nara-Zeit (8. Jh.) sowie wichtige Ereignisse und die Lebensdaten bedeutender Persönlichkeiten darstellt, kann man über den Index leicht nach Schlagwörtern wie „Frisur“ oder „Ronin“ suchen. Außerdem findet man zu den Wörtern Samurai, Bushi, Kyudo, Judo und Kendo auch die (sino-) japanischen Schreibweisen. Hoffentlich entstehen dadurch bei den jungen Lesern aber keine frühen Tattoo-Wünsche. Peter Pantzer Was ist was?- Samurai Band 94 Tessloff Verlag, Nürnberg ISBN: 978-3-7886-0636-7 Preis: 9,95€ Beste Kinderbuchliteratur über das alte Samurai-Reich der aufgehenden Sonne In der komplett neu erarbeiteten Auflage von „Was ist was: Samurai“ wurden alle Schwächen der alten Ausgabe konsequent ausgebügelt. Das Buch ist lehrreich, spannend geschrieben und bewegt sich fernab der üblichen Mythen und Klischees, die Japan allgemein und die Samurai im Speziellen umranken. Es lässt einen teilhaben am Alltag der Menschen aus dem alten Kriegerstand und bietet gleichzeitig den Blick auf die großen Zusammenhänge in Geschichte und Politik - vom Aufstieg zur politischen Elite bis zur Entmachtung und dem allmählichen Verschwinden. Auch wenn das letzte Kapitel von einigen „Samuraihelden“ handelt, werden die Krieger durch Pantzer nicht heroisiert, sondern er zeigt stattdessen, welche Krieger unter Japanern auch heute noch besonders bekannt und beliebt sind und warum dies so ist. Hier führt einfach kein Weg vorbei an 10 von 10 Kinderbuchsternen. Aber auch ältere Jugendliche und Erwachsene dürfen einen Blick riskieren. Hier kann man mehr lernen als in manch anderem Werk für vermeintlich reifere Zielgruppen. So kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich Mama und Papa mindestens genauso gerne mit dem Buch beschäftigen werden wie ihre Sprösslinge. |
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Als kleines Kind von etwa 8 oder 9 Jahren stand ich in der Buchhandlung einmal vor einer schwierigen Entscheidung: „Wale und Delfine“ oder „Samurai“? Nach kurzem Abwägen wählte ich die japanischen Krieger. Diese banal anmutende Geschichte ist gar nicht so unbedeutend, sollte doch jener 94. Band der Was-ist-was-Reihe eine entscheidende Rolle dabei spielen, meine nunmehr fast zwei Jahrzehnte andauernde Faszination für Japan zu wecken. Gleichwohl, wenn ich mit meinem heutigen Wissen auf das Buch zurückblicke, bin ich auch ein wenig peinlich berührt ob der offensichtlichen qualitativen Schwächen. Dies hat auch der Tessloff-Verlag erkannt und sich zu einer kompletten Überarbeitung entschieden, die 2006 veröffentlicht wurde. Diese habe ich etwas genauer unter die Lupe genommen.




