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Zen in der Kunst der Tuschmalerei PDF E-Mail
Autor: Bijin   
Samstag, 7. November 2009
Zen in der Kunst der Tuschmalerei In „Zen in der Kunst der Tuschmalerei“ konzentriert sich die Autorin des bereits besprochenden „Handbuch der fernöstlichen Tuschmalerei“, Katharina Shepherd-Kobel, eher theoretisch auf die Praktiken der Tuschmalerei selber und filtert vielmehr für den Leser den Zen Einfluss alter Tuschmeister in deren Werken heraus, um sie den heutigen Sichtweisen gegenüberzustellen. Die Autorin lenkt ihren Fokus auf das eigentlich Wesen und die Tiefe der alten Tuschbilder, in denen durch die Kunst des Weglassens das „Ich“ des Künstlers offenbart wird. So öffnet sie ein Fenster zu oft vergessenen oder übersehenen Blickwinkeln, die wir Menschen in unserer geschäftigen Gegenwart leider oftmals gar nicht mehr wahrzunehmen imstande sind.

Schon das Inhaltsverzeichnis lässt erahnen, welche Poesie den Leser erwartet:
  • Wenn schöpferische Kraft und Tusche fließen, entstehen Spuren – Tuschespuren
    • Einleitung
    • Dank
  • Weit und offen das Herz, unbeschwert der Geist – die Essenz des Tuscheweges
    • Die „Vier Schätze“, das Malmaterial; Sitzhaltung und die Pinselführung
    • Im Fluss schöpferischer Kraft
    • Die Malerei des Augenblicks
    • Die Geschichte vom Hahn
    • Tuschmalerei als Weg; die drei Pfeiler; Hingabe, Vertrauen, Liebe
    • Die großen Steine oder Juwelen
  • Grundlagen und Qualitäten einer reichen Tradition
    • WA-KEI-SEI-JAKU, die Grundlage aller japanischen Wege
    • Der Senfkorngarten und die Tradition der Tuschmalerei; zwei Einleitungen zur Bildersammlung der Zehnbambushalle
    • Maltechnik und Methoden, Grundlagen und Qualitäten der Tuschmalerei
    • Schwärze als Quelle entdecken
    • Zenmeditation
  • Sein können, was wir wesentlich sind – Zentrale Themen auf dem Weg
    • Anfängergeist und Absichtslosigkeit
    • Wertschätzen und Betrachten; über Akzeptanz, Leiden, Zulassen und Loslassen
    • Die Beziehung zum Malgegenstand, die Beziehung zur Natur, zu uns selbst
    • Gegenwärtigsein im Tun, zeitfreies Sein berühren
    • Der Fluss fließt, der Geist ist frei. Therapeutische Aspekte: Wenn Blockaden und Verhaftungen sich lösen
  • Sehen und würdigen
    • „Wie wunderbar, wie geheimnisvoll, ich trage Brennholz, ich hole Wasser!“ Das Wunder des jetzigen Moments in unserem Alltag
    • Die Verbindung von Bild und Poesie: „Haiku-Malerei“
    • Stille – Stille finden im Tun – Bilder, die uns Stille schenken
  • Literatur

Katharina Shepherd-Kobel war Zen-Schülerin von Pater Lassalle in Münster und später bei dessen Lehrer Yamada Koun Roshi während ihres 10 jährigen Aufenthalts in Japan. Heute ist sie mit dem Zen-Lehrer Paul Shepherd verheiratet und lebt mit diesem und ihren Kindern in der Schweiz. Das Buch „Zen in der Kunst der Tuschmalerei“ ist kaum größer als ein Taschenbuch und mit seinen 159 Seiten auch eher schmal gehalten. Es ist in fünf Bereiche gegliedert, welche wiederum in mehrere Unterpunkte aufgeteilt sind. Jedes Kapitel ist in sich abgeschlossen und kann für sich betrachtet werden, weshalb dem Leser auch bestimmte, der Autorin wichtige Handlungen der Zenmeditation immer wieder begegnen werden. Zahlreiche Bilder alter Tuschmeister erläutern die Texte auf praktische Weise, fallen aber leider aufgrund der Seitengröße auch sehr klein aus. Allerdings kommt vielleicht gerade so die Klarheit und kraftvolle Aussage der Bilder zu Tage, die mit so wenigen Pinselstrichen so viel ausdrücken können.
In der heutigen schnelllebigen Welt ermöglicht Katharina Shepherd-Kobel mit „Zen in der Kunst der Tuschmalerei“ ihrem Leser vielmehr, einen Blick auf den traditionellen Weg des japanischen Zens zu werfen, den Dingen zu begegnen: Das Zurückkehren-können zu dem ganz Einfachen, das Einswerden mit einer Handlung, wie dem Malen mit dem Pinsel. Wer dies selber noch nicht erfahren hat, dem wird in dem Buch durch die erläuterten Zenübungen die Möglichkeiten aufgezeichnet, die Hektik und das Treiben des Alltages hinter sich zu lassen und wieder vollkommen, wie ein im Spiel sich vergessendes Kind, sich auf das Wesentliche seines Tuns zu konzentrieren und dabei die Umwelt wie einen einengenden Mantel abzustreifen. Dabei predigt die Autorin dem Leser jedoch nicht vor, dass „ihr“ Zen der einzige Weg sei, um diese Befriedigung zu erfahren, sondern eben nur einer der Wege sei, den man beschreiten kann. Ein Weg, zu erkennen, mit dem zufrieden zu sein, mit dem was ist oder nicht ist. Ein Weg, sich in seinem Tun zu versenken und nebenbei die Ruhe zu erfühlen, mit der die Tusche auf und über das Papier zu fließen scheint.
In diesem Sinne ist Sheperd-Kobels Buch weder eine klassische Malanleitung noch eine Interpretationshilfe für asiatische Tuschkunst. Wer also an der asiatischen Tuschbild-Maltechnik interessiert ist, wäre vielleicht mit einer vorausgehenden Lektüre ihres „Handbuch der fernöstlichen Tuschmalerei“ sehr gut beraten.

Katharina Shepherd-Kobel
Zen in der Kunst der Tuschmalerei

Theseus Verlag, Bielefeld
ISBN: 978-3-89620-268-0
Preis: 17,95 €

Zen, ein Weg zu deinem Inneren
Vieles von dem, das Katharina Shepherd-Kobel in ihrem Buch „Zen in der Kunst der Tuschmalerei“ schreibt habe ich bei mir selber beobachten können, als ich versucht hatte ihren Anweisungen zu folgen und mich auf den Tuschweg begab. Wenn ich auch noch nie meditiert hatte, und es wohl auch nicht machen werde, so ist die innere Ausgeglichenheit beim Anreiben der Tusche und die damit verbundene Vorbereitung auf das Malen fast wie ein ritueller Prozess zu begreifen. Die zahlreichen Bespiele, die Sie heranzieht, um Zen, den Blick für das Wesentliche, zu schärfen, ermöglichen es dem Leser seine eigene Umgebung mit anderen Augen zu sehen und einem Fokus auf das Innere, die Seele der Dinge, zu werfen. Leider empfand ich den Lesefluss von einem zum anderen Kapitel oft gebremst, da die Kapitel nicht immer aufeinander aufbauten und manchmal einen anderen Gedankengang aufgriffen. Nicht selten riss mich dies aus meinem anfänglichen Verstehen des Buches, wobei erwähnt werden muss, dass jedes Kapitel für sich genommen in sich schlüssig ist. Alles in allem ist es ein schönes kleines Buch, in dem es die Bilder der alten Tuschmeister durchaus verdient hätten, auf größeren Seiten dem Leser dargeboten zu werden. So gibt es dann 8 von 10 Tusche-Pinselstrichen, die das Innere des Äußeren offenbaren.
 
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